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Rund um das Thema Geschichte in Wolfsburg

Eine Zeitung mit der Überschrift Aktuelles; Foto: Zerbor/Fotolia.com © Zerbor/Fotolia.com Meldung vom 03.05.2016:

Archivalie des Monats - Ausgabe 5/2016

Wolfsburg 1960: Empfang wie für einen Pop-Star Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt in Wolfsburg

Während der Zeit der deutschen Teilung und der Insellage Berlins pflegten die Stadt Wolfsburg und die heutige Bundeshauptstadt eine enge Verbindung. Dies lag zum einen an der räumlichen Nähe beider Städte und zum anderen an der  Zonenrandlage Wolfsburgs. Über viele Jahre erhielt Berlin nicht nur Unterstützung aus Politik und Verwaltung Wolfsburgs, sondern auch durch private Initiativen. Hierzu zählte auch das Spendenaufkommen des Volkswagenwerkes für die Ferienaktion Berliner Kinder, das bis 1970 eine Gesamtsumme von 1,1 Mill. DM ausmachte. Diese Spenden ermöglichten zahlreichen Berliner Kindern einen kostenlosen Ferienaufenthalt im Harz oder an der Nordsee.
Gemeinsam mit dem Kuratorium „Jugendaustausch Wolfsburg-Berlin“, dem Berliner Club und zuständigen Stellen in der Berliner Senatsverwaltung bereitete die Wolfsburger Stadtverwaltung in der Zeit vom 2. April bis zum 9. April 1960 eine „Berliner Woche“ in Wolfsburg vor. Nach den im Verwaltungsausschuss am 16. Februar 1960 vorgestellten vorläufigen Planungen sollte unter anderem in dieser Zeit ein Doppelstockbus der Berliner Verkehrsbetriebe im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden, ein Berliner Meilenstein vor dem Rathaus enthüllt und ein „Bunter Abend“ durch den Sender Freies Berlin veranstaltet werden. Als Höhepunkt der Veranstaltungswoche wurde eine Großkundgebung mit dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt eingeplant. In der Bürgerhalle des Rathauses vermittelten die Ausstellungen „Berlin-Hauptstadt Deutschlands“ und „Berliner Karikaturen“ spezielle Eindrücke. Auf eine entsprechende Anfrage der Stadtspitze vom 18. Februar 1960 reagierte Willy Brandt positiv und sagte sein Kommen nach Wolfsburg für den 5. April 1960 zu. Dieses Schreiben des Berliner Regierenden Bürgermeisters dient genauso als Archivalie des Monats wie die Großanzeige der Kundgebung in der Wolfsburger Lokalpresse (HA 12). Da Brandt nur Zeit für den Vor- und frühen Nachmittag hatte, musste die geplante Großkundgebung mit ihm von der Stadthalle auf den Rathausplatz verlegt werden.
Wie aus einem Bericht vom Ablauf der „Berlin-Woche“ hervorgeht, traf Willy Brandt am Dienstag, den 5. April 1960, um 09.20 Uhr an der Stadtgrenze ein und wurde von Oberbürgermeister Dr. Uwe-Jens Nissen und Oberstadtdirektor Dr. Wolfgang Hesse begrüßt. Zahlreiche Wolfsburger standen an der Einfallstraße aus Richtung Nordsteimke Spalier und winkten dem prominenten Gast zu. Nach einer 20-minütigen Stadtrundfahrt wurde Brandt im Volkswagenwerk von Professor Heinrich Nordhoff begrüßt und bei einer Werksbesichtigung begleitet. Der VW-Betriebsrat nutzte die Gelegenheit, eine namhafte Belegschaftsspende für die Berliner Kinder an Willy Brandt zu übereichen. Um die Mittagszeit hielt der charismatische und rhetorisch gewandte SPD-Politiker vor 7.000 Zuhörern auf dem Rathausplatz eine halbstündige Rede, die immer wieder durch Beifall unterbrochen wurde.
Nach den Worten Brandts sei die Stellung Berlins „als Insel im ,Roten Meer‘ durch viele Beweise der Hilfe und Freundschaft westdeutscher Städte gefestigt worden“. In diesem Zusammenhang betonte er die Unterstützung Wolfsburgs, die viele Ferienaufenthalte Berliner Kinder möglich gemacht hätte. Aus staatlicher Sicht postulierte Brandt: „Wir wollen eine freie Hauptstadt in einem wiedervereinigten Deutschland, das sein volles Selbstbestimmungsrecht 15 Jahre nach Kriegsende endlich erhält“. Mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne, der dritten Strophe des Deutschland-Liedes von Hoffmann von Fallersleben, fand die Kundgebung ihren Abschluss. Es sollte noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis sich Brandts Forderung nach Einheit und Selbstbestimmung des deutschen Volkes erfüllte.
Im Anschluss trug sich Brandt in das Goldene Buch der Stadt ein. Sein Besuch endete gegen 13.20 Uhr. Während der Weiterfahrt zum Flughafen Hannover-Langenhagen begleiteten ihn Vertreter der Wolfsburger Lokalpresse, denen er Rede und Antwort stand. In Bonn wurde Brandt am Abend zu einem Gesprächstermin beim Bundeskanzler erwartet.
Willy Brandt zählt zu den wenigen Wolfsburg-Besuchern, die sich zweimal in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler unterschrieb er 1974 ein weiteres Mal in seiner Funktion als SPD-Parteivorsitzender während einer Wahlkampfreise. Durch seine Entspannungs- und Ostpolitik förderte Brandt die Annäherung der Machtblöcke von Ost und West und war zugleich Wegbereiter innerer Reformen, die er unter das Leitmotto „Mehr Demokratie wagen“ stellte. Seine Popularität und die Neuausrichtung der Politik machten Willy Brandt zu einem der bedeutendsten Bundeskanzler nach Konrad Adenauer.

Ansprechpartner: Werner Strauß // Alle Rechte beim Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) E-Mail: werner.strauss@stadt.wolfsburg.de


Meldung vom 18.04.2016:

Wolfsburger Sagenbuch erschienen

Schnurren und Sagen über Riesen, Zwerge und andere Gesellen neu erzählt

In Wolfsburg und Umgebung ging es hoch her: Hier trieben sich Gespenster, Riesen, Zwerge und Drachen herum. Sogar Regenschirme tanzten aus der Reihe. Gab es wohl tatsächlich Hexen? Oder den Teufel, der ab und zu persönlich vorbeischaute? Und was war mit dem Schatz unter der Wolfsburg, liegt er immer noch dort? Oder hat der Junge mit der Trommel ihn schön längst gefunden und verjubelt?
Das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) hat sich in den letzten Jahren immer wieder mit den Sagen rund um Wolfsburg im Rahmen des Vermittlungsprogramms für Grundschule beschäftigt. Dabei wurde festgestellt, dass eben diese Geschichten und Sagen für kleinere Schüler ein erster guter Zugang zum Fach Geschichte und v. a. für die Wolfsburger Stadtgeschichte ist. Das nun druckfrisch erschienene Wolfsburger Sagenbuch beinhaltet eine Auswahl der Wolfsburger Schnurren und Sagen, die sich rund um die Stadt ranken.
Herausgeber ist das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS), in Zusammenarbeit mit der Kinderbuchillustratorin Tonia Wiatrowski und dem Geschichtsdidaktiker Christian Sielaff. Das Buch kostet 14,50 Euro und ist im Wolfsburger Buchhandel, in der Kulturinfo im Aalto-Kulturhaus und im Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) erhältlich. Lesetouren in den Wolfsburger Kindertagesstätten und Grundschulen sind für Mai geplant.

Die Titelseite des Wolfsburger Sagenbuchs


Meldung vom 01.04.2016:

Archivalie des Monats April 2016

Wolfsburger „Halbstarke“ oder „Jugendliche, die anders sind“?

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