Erinnerungs- und Bildungsstätte soll am Laagberg entstehen

Archäologische Funde geschichtswissenschaftlich aufarbeiten

Am Laagberg, auf dem Gelände des ehemaligen Außenlagers des KZ Neuengamme, soll eine Erinnerungs- und Bildungsstätte errichtet werden.

Meldung vom 19.06.2017

Erinnerungs- und Bildungsstätte soll am Laagberg entstehen  Archäologische Funde geschichtswissenschaftlich aufarbeiten

„Die Diskussion um den Erhalt und die Sichtbarmachung der Barackenfundamente der Gefangenenbaracke 4 des Außenlagers Laagberg des KZ Neuengamme ist in den letzten Wochen innerhalb der städtischen Gremien wie auch der Zivilgesellschaft lebhaft geführt worden“, so Oberbürgermeister Klaus Mohrs. „Die Diskussion um das Thema ist gut und wichtig. Ich werte sie als wertvollen Beitrag im historischen Aufklärungsprozesses der Stadt Wolfsburg.“ Als Ergebnis dieser Auseinandersetzung steht im Rat nun folgende Konzeption zur Abstimmung:

Sicherung und Erhalt der Fundamentreste , die vor Ort erhalten bleiben können sowie Translozierung der weiteren Fundamentreste, die nicht erhalten werden können, innerhalb des Lagerbereichs.

Vorbehaltlich der Zustimmung des Rates werden die erhaltenswerten Fundamentreste vor Ort konservatorisch abgedeckt und gesichert. Sie bleiben so unter den baulichen Veränderungen und Grünanlagen erhalten. Auch an dieser Stelle des neuen Nahversorgungszentrums wird der historische Ort erläutert und sichtbar gemacht. Zum anderen wird in unmittelbarer Nähe des Fundortes, wo die Gefangenenbaracke 1 des Außenlagers Laagberg des KZ Neuengamme gestanden hat, ein Gedenk- und Bildungsort errichtet werden. „Er soll die Aufgabe erfüllen“, so Oberbürgermeister Klaus Mohrs, „Erinnerungs-, Forschungs- und politische Bildungsarbeit zu verbinden und eine aktive gedenkstättenpädagogische Arbeit zu ermöglichen.“ Die Fundamentreste werden somit nicht „verlegt“, wie immer wieder suggeriert wird, sondern am historischen Ort zu einem Exponat zur Sichtbarmachung der menschenunwürdigen Bedingungen im Konzentrationsaußenlager Laagberg. „Für die anvisierte Translozierung und Umwandlung der gut erhaltenen Teile der Barackenfundamente in ein Ausstellungsexponat schwebt uns eine ähnliche Präsentationsform vor, wie beispielsweise in der Gedenkstätte Bergen-Belsen praktiziert. Dort wurden Bodenfunde vom Gelände des KZ Bergen-Belsen in speziellen Vitrinen in den Boden des Gebäudes eingelassen. Wir erachten diese Praxis als durchaus respektvollen Umgang mit den Befunden“, so Anita Placenti-Grau vom Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation.

Auch die Amicale Internationale KZ Neuengamme (AIN), die sich zunächst für einen vollständigen Erhalt an Ort und Stelle und insbesondere für einen Ort der pädagogischen Auseinandersetzung und Erinnerung ausgesprochen hatte, erkennt „das Potential der angedachten Kompromisslösung“, wie ihr Präsident Jean-Michel Gaussot der Stadt Wolfsburg in einem offiziellen Schreiben vom 16. Juni 2017 versichert. Im Einklang mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme erachte die AIN den Lösungsvorschlag der Stadt als „vertretbaren Kompromiss“ und wünscht sich eine zügige Realisierung des Erinnerungs- und Bildungsortes. Dafür, dass auch die AIN den angedachten Weg mitzugehen bereit ist, zeigt sich Oberbürgermeister Mohrs dankbar.

Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide betonte noch einmal, dass „eine kritische Auseinandersetzung mit unserer eigenen Stadtgeschichte nicht anhand von de facto unsichtbaren Befunden erfolgen kann“. Die im Zuge der archäologischen Ausgrabung sichtbar gewordenen Barackenfundamente der Gefangenenbaracke 4 des Außenlagers Laagberg des KZ Neuengamme könnten jedoch allein unter der „grünen Wiese“ konserviert werden. Um diese an Ort und Stelle sichtbar zu machen, wie verschiedentlich angeregt, müsste der nur schwierig zu erhaltene Befund zunächst freigelegt und gestützt werden. Denn erdfeucht ist eine sinnvolle und langfristige Restaurierung nur schwierig zu realisieren. Grundsätzlich gilt für jeden Ansatz, der eine Sichtbarmachung der Fundamente verfolgt, dass diese zunächst zu bergen sind. Doch verlieren die Fundamente durch die notwendige Bergung für ihre anschließende Präsentation (auch vor Ort) ihre Denkmaleigenschaft. Auch diese Überlegungen haben die Stadt Wolfsburg unter Abwägung aller Möglichkeiten zu der ausgearbeiteten Kompromisslösung bewegt, die vorsieht, einen Teil der Befunde vor Ort zu lassen und den anderen Teil zu einem Exponat einer zu schaffenden Gedenk- und Bildungsstätte zu machen.

Der wiederholt eingeworfene Gedanke, die Befunde wieder zuzuschütten, um mehr Zeit für den Abstimmungsprozess zu gewinnen, ist aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten nicht zielführend: „Mag auch immer wieder angeführt werden, dass eine Verschüttung den Befund nicht verändern würde, so entspricht dies nicht den Tatsachen“, so der städtische Grabungstechniker Daniel Pollok. „Eine solche Maßnahme ist allein in der Theorie reversibel, eine erneute Freilegung schädigt immer die Substanz und ist wenn möglich zu vermeiden.“ Als nächster Schritt soll nun gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der AIN, der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten sowie Interessenvertretung und der örtlichen Politik, eine Konzeption für diesen Erinnerungs- und Bildungsort erarbeitet werden. „Ich plädiere für eine ganzheitliche Darstellung der Situation ab 1938“, so Oberbürgermeister Klaus Mohrs.  


Blick auf die zukünftige Erinnerungsstätte am Laagberg

Die dort in den vergangenen Wochen bei archäologischen Untersuchungen freigelegten Überreste einer Baracke des Konzentrationslagers auf dem Laagberg wird die Stadt geschichtswissenschaftlich aufarbeiten. Die Vorschläge werden dann in einer Vorlage zusammengefasst und dem Rat der Stadt zur Beschlussfassung vorlegt.

Oberbürgermeister Klaus Mohrs: „Hier am Laagberg soll ein Ort der Erinnerung, Mahnung und Bildung entstehen. Die Einrichtung einer Erinnerungs- und Bildungsstätte hebt die besondere Verantwortung der Stadt hervor sowie den festen Willen, sich dieser zu stellen und sie zu übernehmen. Der anvisierte Erinnerungs- und Bildungsort auf dem Gelände des hiesigen ehemaligen Außenlagers des KZ Neuengamme wird in Wolfsburg einen weiteren Meilenstein im lokalhistorischen Aufklärungsprozess bilden.“

Seit Ende März wird der Bereich zwischen Schlesierweg und Breslauer Straße im Vorfeld einer geplanten Neubebauung durch die NEULAND archäologisch untersucht. Die Stadt Wolfsburg ist sich des historischen Kontextes dieses Ortes und dessen Bedeutung für die ehemaligen KZ Häftlinge sowie ihrer Angehörigen bewusst. Unter Berücksichtigung dieser Belange wurde ein Bebauungsplan aufgestellt und als Satzung beschlossen, der vor der Bebauung eine Ausgrabung der Spuren des Konzentrationsaußenlagers vorsieht.

Die nun sichtbar gewordenen baulichen Reste legen aufgrund ihrer unerwarteten Vollständigkeit und guten Erhaltungszustand vor allem im nördlichen Bereich Zeugnis ab für die frühe Stadtgeschichte der Stadt Wolfsburgs. Sie ermöglichen einen authentischen Eindruck der menschenunwürdigen Lebensbedingungen der KZ-Häftlinge.

Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide: „Der aus denkmalpflegerischer Sicht wünschenswerten vollständigen Erhaltung der Barackenfundamente als ‚Niedersächsisches Kulturdenkmal‘ stehen zum einen konservatorische Beweggründe aber auch planungsrechtliche Einwände gegenüber. Die Erhaltung der Betonfundamente an Ort und Stelle ist nur unter der „grünen Wiese“, frostsicher abgedeckt und von überfahrendem Verkehr ausgenommen, möglich. Das würde allerdings eine Änderung des Bebauungsplanes und die komplette Neuplanung der Baumaßnahme bedeuten. Außerdem würde hierdurch der Erinnerungswert verloren gehen.“

Im Rahmen des Abwägungsprozesses zwischen der Erhaltung als Bodendenkmal am Originalfundplatz und der Schaffung eines angemessenen Gedenkortes an anderer Stelle des ehemaligen Laagberglagers mithilfe von translozierten Fundamentbestandteilen soll im Gesamtprozess ein zweistufiges Vorgehen angestrebt werden, bei dem zunächst die Maßnahmen, die sich aus dem Denkmalschutz ergeben, unter Federführung der Unteren Denkmalschutzbehörde durchgeführt werden (Sicherung und Transport der Fundamente).

Dr. Michael Geschwinde, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Stützpunkt Braunschweig: „Ich bin beeindruckt vom archäologischem Befund und stehe voll hinter dem Projekt. Es ist sehr wichtig das jetzt so verfahren wird.“

In einem zweiten Schritt ist geplant, unter Federführung des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation ein Konzept für eine Erinnerungs- und Bildungsstätte unter Wiederverwendung der Fundamente zu erstellen. Das Ziel: transparent und mit wissenschaftlicher Expertise mit diesen baulichen Relikten der Geschichte anschauliche Bildungsarbeit zu ermöglichen und somit reflexiv-konstruktives Geschichtsbewusstsein zu schaffen.

Hans-Gerd Bode, Leiter Konzernkommunikation: „Die Stadt Wolfsburg und die Volkswagen Aktiengesellschaft sind zu dem Thema im Gespräch. Beide haben grundsätzlich ein Interesse daran, die durch die Grabung erzielten Erkenntnisse durch Umlagerung des Befundes dauerhaft zu sichern und gemeinsam ein Konzept zur Erinnerung und Information im Zusammenhang mit dem ehemaligen KZ-Außenlager zu erarbeiten.“

Hans-Dieter Brand, Geschäftsführer der NEULAND Wohnungsgesellschaft mbH: „Es ist an uns, diese Zeugnisse des Zeitgeschehens für nachfolgende Generationen als Mahnmal zu konservieren. Hierzu haben wir als NEULAND und Tochter der Stadt gemeinsam mit den Verantwortlichen nach geeigneten Möglichkeiten gesucht. Die nun gefundene Lösung, die Fundamentreste nach der Dokumentation zu bergen und an geeigneter Stelle zugänglich zu machen, begrüßen wir sehr und werden für die dafür notwendige Zeit auch unsere Baumaßnahme zurückstellen. Sobald die erhaltenswerten Bestandteile geborgen sind, starten wir den Bau des geplanten Dienstleistungszentrums. Darüber hinaus haben wir eine Firma beauftragt, die Ausgrabungsstelle mithilfe eines Drohnenfluges aufzunehmen und alles zu dokumentieren. Damit haben wir gern einen größeren Beitrag geleistet, als es das Denkmalrecht vorschreibt. Entstanden ist daraus im ersten Schritt ein 4-minütiges Video, das über die Website der Stadt aufgerufen werden kann.“


Pressemitteilung vom 17.05.2017

Gedenkstätte KZ-Neuengamme unterstützt Wolfsburgs Pläne 

Auch in anderen Städten ist das Verlegen von Fundstücken schon praktiziert wurden

„Die Pläne, die Barackenfundamente der Gefangenenbaracke 4 des Außenlagers Laagberg des KZ-Neuengamme zu translozieren, stellen eine keineswegs unübliche Praxis des Verlegens eines historischen Fundes dar“, unterstreicht noch einmal Oberbürgermeister Klaus Mohrs das geplante Verfahren. Diese Vorgehensweise wird auch von Dr. Detlef Garbe, dem Leiter der Gedenkstätte KZ-Neuengamme, unterstützt. Auch in anderen Gedenkstätten findet man entsprechende Lösungen.

In Wolfsburg sei dieser Schritt auch daher vertretbar, da die Fundamentreste am historischen Ort der Gefangenenbaracke 1 als Exponat sichtbar gemacht werden sollen. Auf diesem Geländeteil des Außenlagers standen u.a. ein Wachturm und der Trafo, der den elektrischen Zaun, welcher das Gefangenenlager umgab, mit Strom versorgte.

Der anvisierte Standort bietet demnach eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Orte des vergangenen Geschehens zu veranschaulichen. Es geht der Stadt Wolfsburg darum, eine gestaltete Erinnerungs- und Bildungsstätte am Standort des ehemaligen Lagers zu präsentieren.

Am Laagberg, auf dem Gelände des ehemaligen Außenlagers des KZ-Neuengamme, soll eine Erinnerungs- und Bildungsstätte errichtet werden. Die dort in den vergangenen Wochen bei archäologischen Untersuchungen freigelegten Überreste einer Baracke des Konzentrationslagers auf dem Laagberg wird die Stadt geschichtswissenschaftlich aufarbeiten. Die Vorschläge werden dann in einer Vorlage zusammengefasst und dem Rat der Stadt zur Beschlussfassung vorlegt.

Die Stadt Wolfsburg ist sich des historischen Kontextes dieses Ortes und dessen Bedeutung für die ehemaligen KZ-Häftlinge sowie ihrer Angehörigen bewusst. Die sichtbar gewordenen baulichen Reste legen aufgrund ihrer unerwarteten Vollständigkeit und guten Erhaltungszustand vor allem im nördlichen Bereich Zeugnis ab für die frühe Stadtgeschichte der Stadt Wolfsburgs. Sie ermöglichen einen authentischen Eindruck der menschenunwürdigen Lebensbedingungen der KZ-Häftlinge.

Im Rahmen des Abwägungsprozesses zwischen der Erhaltung als Bodendenkmal am Originalfundplatz und der Schaffung eines angemessenen Gedenkortes an anderer Stelle des ehemaligen Laagberglagers mithilfe von translozierten. Fundamentbestandteilen soll im Gesamtprozess ein zweistufiges Vorgehen angestrebt werden, bei dem zunächst die Maßnahmen, die sich aus dem Denkmalschutz ergeben, unter Federführung der Unteren Denkmalschutzbehörde durchgeführt werden (Sicherung und Transport der Fundamente). In einem zweiten Schritt ist geplant, unter Federführung des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation ein Konzept für eine Erinnerungs- und Bildungsstätte unter Wiederverwendung der Fundamente zu erstellen. Das Ziel: transparent und mit wissenschaftlicher Expertise mit diesen baulichen Relikten der Geschichte anschauliche Bildungsarbeit zu ermöglichen und somit reflexiv-konstruktives Geschichtsbewusstsein zu schaffen.

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