IZS - Veranstaltungsrückblick

Stadtplan Detmerodes von 1963, IZS, HA 8944 Band 2Foto: Stadtplan Detmerodes von 1963, IZS, HA 8944 Band 2

Eine fragwürdige Ehrung? Informationsveranstaltung zur Diskussion um die Hinrich-Kopf-Straße in Detmerode

Die Berichterstattung über die NS-Vergangenheit des ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf erschütterte 2009 die Landeshauptstadt Hannover. Die durch sie ausgelöste Debatte fand ihr vorläufiges Ende in der am 2. April 2015 vollzogenen Umbenennung des vor dem Landtag gelegenen Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platzes in Hannah-Arendt-Platz.

Die Frage, wie Städte mit Straßennamen umgehen sollen, die nach „belasteten“ Persönlichkeiten wie Kopf benannt sind, stellte sich 2015 einmal mehr auch in Wolfsburg. Hier hatte der Detmeroder Ortsbeirat im Sommer des Jahres einstimmig für eine Umbenennung in Horst-Weiß-Straße votiert – und damit eine Diskussion unter den Anwohnerinnen und Anwohnern ausgelöst. Im Zuge dessen veranstaltete das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) eine Informationsveranstaltung vor Ort, die am 2. November 2015 in der Bürgerbegegnungsstätte in Detmerode stattfand. 

Dr. Alexander Kraus (IZS) führte in einem kurzen Vortrag in die Veranstaltung ein und schilderte dabei die in den Geschichtswissenschaften diskutierten unterschiedlichen Positionen zu Straßenumbenennungen. Sodann erklärte Martin Müller (1. Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Wolfsburg–Gifhorn e.V.), warum die Deutsch-Polnische-Gesellschaft eine Umbenennung der Hinrich-Kopf-Straße in Horst-Weiß-Straße anstrebe. Über die Person Hinrich Wilhelm Kopf und die in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover geführte Diskussion berichtete Dr. Karljosef Kreter (Leiter Städtische Erinnerungskultur Hannover/Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen). Thomas Großbölting, Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, berichtete anschließend über die in Münster ebenso intensiv wie kreativ geführte Debatte zur Umbenennung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz.

Stadtplan Detmerodes von 1963 (Ausschnitt), IZS, HA 8944 Band 2  Vergrößerte Darstellung des Stadtplanes Detmerode (öffnet sich in einem neuen Fenster)

Dokumentation der Informationsveranstaltung von Marcel Glaser als PDF-Dokument (öffnet sich in einem neuen Fenster)


Stein „Deutschland ist unteilbar“ – Herbert RolkeFoto: Stein „Deutschland ist unteilbar“ – Herbert Rolke

Leben und Arbeiten im Schatten der Grenze. Die Auswirkungen der deutschen Teilung auf die Stadt Wolfsburg und das Volkswagenwerk

Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls luden das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) und die Historische Kommunikation der Volkswagen Aktiengesellschaft am 3. November 2014 zu zwei Veranstaltungen ein, die sich mit den Auswirkungen der deutschen Teilung auf die Stadt Wolfsburg und das Volkswagenwerk beschäftigen.

Am Nachmittag fand ein öffentlicher Workshop statt, bei dem Dr. Günter Riederer (IZS) die wechselhafte Geschichte des „Ortskuratoriums Unteilbares Deutschland“ von seiner Gründung 1956 bis zur Auflösung 1969 erläuterte. Dr. Manfred Grieger (Historische Kommunikation der Volkswagen Aktiengesellschaft) sprach über die DDR-Geschäfte von Volkswagen, und der Kasseler Historiker Marcel Glaser berichtete über die noch in den letzten Wochen der DDR am 24. Oktober 1989 geschlossene Städtepartnerschaft zwischen Wolfsburg und Halberstadt.

Am Abend las Jens Bisky (Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung) im großen Saal des Alvar-Aalto-Kulturhauses aus seiner Neuerscheinung "1989. Die letzte Revolution, die noch nichts von Facebook wusste“. Anschließend diskutierte er mit dem Publikum über die Erfahrungen seit dem Umbruch von 1989.

Ehrenmal in Vorsfelde – Andrea FeilFoto: Ehrenmal in Vorsfelde – Andrea Feil

Undemokratische Heldenverehrung oder mahnendes Gedenken gegen den Krieg? – Über den gegenwärtigen Umgang mit Kriegerdenkmalen am Beispiel des Ehrenmals in Vorsfelde

Westeuropa hat seit fast 70 Jahren keine größeren kriegerischen Auseinandersetzungen mehr erlebt. Gleichwohl stehen in unseren Städten und Gemeinden zahlreiche Erinnerungszeichen an die Kriege des 19. Jahrhunderts und an die beiden Weltkriege. Wie wollen wir gegenwärtig mit diesen Denkmalen umgehen? Was können beispielsweise jungen Leuten heute die Namen der im Ersten Weltkrieg Gefallenen noch sagen? Welchen Platz haben Kriegerdenkmale in unserer Lebenswelt? Lassen sich ihre steinernen Botschaften heute noch „lesen“ und verstehen?

Am konkreten Beispiel des Denkmals auf dem Ehrenfriedhof in Vorsfelde wurde am 9. Oktober 2014 im Phoenix Gymnasium Wolfsburg-Vorsfelde über zeitgemäßes Erinnern an die Kriege früherer Zeiten diskutiert. 
Zu Beginn der Veranstaltung stellten Schülerinnen und Schüler des Phoenix Gymnasiums die Zwischenergebnisse einer Projektarbeit vor, die sich mit der Bedeutung des Ehrenmals im Alltagsleben der Vorsfelder beschäftigt hat. 
Dr. Günter Riederer (IZS) berichtete über die Geschichte des Ehrenmals und ging dabei auf die Inschrift („Die Treue ist das Mark der Ehre“) ein. Prof. Dr. Matthias Steinbach, Geschichtsdidaktiker an der TU Braunschweig, sprach über die heutigen Möglichkeiten, Kriegerdenkmale als Lernorte der außerschulischen Bildung einzusetzen. Prof. Dr. Corinna Tomberger von der Universität der Künste in Berlin stellte Strategien des kritischen Umgangs mit Kriegerdenkmalen vor.

Bericht über die Veranstaltung von Marcel Glaser als PDF-Dokument (öffnet sich in einem neuen Fenster)


Grabplatte des amerikanischen Soldaten Sidney BensonFoto: Picasa

Luftkrieg und Heimatfront. Ein vergessener Fliegerlynchmord in der ‚Stadt des KdF-Wagens‘

Am 29. Juni 1944 wurde bei einem amerikanischen Luftangriff auf das Volkswagenwerk von der deutschen Luftabwehr eine Maschine abgeschossen, von deren zehnköpfiger Besatzung sich nur Kopilot Sidney A. Benson retten konnte. Er ging mit einem Fallschirm am Westrand des heutigen Stadtteils Windberg nieder, wurde von einem deutschen Soldaten gefangen genommen und kurze Zeit später einem HJ-Führer übergeben. Dieser führte den Piloten in Richtung Stadt und schoss Benson nach einem angeblichen Fluchtversuch dreimal in den Rücken. Der Amerikaner lief noch weiter bis vor das Stadtkrankenhaus, wo er von einigen Luftschutzwarten verprügelt wurde, bis er bewusstlos mit einem Schädelbruch liegen blieb und wenige Stunden später im Stadtkrankenhaus verstarb.

70 Jahre nach den Ereignissen erinnerte die Veranstaltung am 5. Juni 2014 im Alvar-Aalto-Kulturhaus an diesen Fall und versuchte die Geschehnisse dieses Tages zu rekonstruieren. 
Als Gastredner war dazu Dr. Ralf Blank eingeladen (Historisches Centrum Hagen), der sich in mehreren Publikationen mit der Ermordung alliierter Flieger in der Endphase des Zweiten Weltkriegs beschäftigt hat. Dr. Manfred Grieger (Historische Kommunikation der Volkswagen AG) sprach über die Luftangriffe auf das Volkswagenwerk im Jahr 1944, Roland Beilner (Wolfsburg) rekonstruierte den Ereignisablauf am 29. Juni 1944 und Dr. Günter Riederer (Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation) widmete sich der juristischen Aufarbeitung des Falles nach 1945.


Bild der Tagung "Soziallabor oder Sonderfall"Soziallabor oder Sonderfall? Die Stadt Wolfsburg in der deutschen Nachkriegsgeschichte 

Tagung am 28. und 29. November 2013 in Wolfsburg

Die Stadt Wolfsburg stand seit 1945 unter einer ständigen Beobachtung. Immer wieder widmeten sich Soziologen, Architekten, Stadtplaner und Historiker der Erforschung der Stadt. Was weckte das Interesse der Wissenschaft an der „Volkswagenstadt“? Welche Besonderheiten zeichnen die Geschichte Wolfsburgs aus? Inwieweit ist und war die Stadt Vorbild für bundesweite Trends?

Aus Anlass des 75. Stadtjubiläums im Jahr 2013 veranstaltete das am IZS angesiedelte Forschungsprojekt "Wolfsburg auf dem Weg zur Demokratie" am 28. und 29. November 2013 eine internationale wissenschaftliche Konferenz. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen der deutschen Nachkriegsgeschichte und der Entwicklung der Stadt Wolfsburg. Die Vorträge ausgewiesener Fachleute zu ihren jeweiligen Forschungsschwerpunkten wurden von "lokalen Interventionen" begleitet, die sich den einzelnen Themen aus Wolfsburger Sicht näherten. 


Weitere Informationen 

Bild vom Workshop im Alvar-Aalto-KulturhausGut gehütete Geheimnisse oder stillschweigend akzeptierte Gewissheiten? – NSDAP-Mitgliedschaft und NS-Kontinuitäten im Volkswagenwerk und in der Stadt Wolfsburg nach 1945

Bericht über den Workshop im Alvar-Aalto-Kulturhaus, 29.11.2012
Foto: Wolfsburger Nachrichten (www.wolfsburger-nachrichten.de)

Am 29. November 2012 fand im Alvar-Aalto-Kulturhaus in Wolfsburg eine Veranstaltung statt, die sich dem Umgang mit der Mitgliedschaft in der NSDAP nach 1945 widmete. Am Beispiel verschiedener Fälle aus dem Volkswagenwerk und aus der Verwaltung der Stadt.

Lesen Sie den ausführlichen Bericht über die Tagung (PDF - öffnet sich in einem neuen Fenster)


Tagung „Autostädte“ – Günter PoleyFoto: Tagung „Autostädte“ – Günter Poley

Autostädte. Wachstums- und Schrumpfungsprozesse in globaler Perspektive

Tagung vom 27. bis 29. Juni 2012 in Wolfsburg

Die "Motor Town" Detroit, einst Mythos und Symbol amerikanischen Fortschritts, ist inzwischen Inbegriff der Krise und Stadtschrumpfung. Nicht alle Geschichten von Autostädten sind dermaßen spektakulär und deprimierend. Doch stehen auch westliche Autostädte wie Birmingham, Rüsselsheim, Turin oder Wolfsburg vor neuen Herausforderungen im Hinblick auf ihre Zukunft. Einige befinden sich in Krisen, einige in Transformationsprozessen. Asiatische Städte wie Changchun oder Toyota-Stadt gehören dagegen derzeit zu den wachsenden Autostädten. 


Bei der Tagung wurden Autostädte in globaler Perspektive verglichen und nach den städtischen Strategien des Wachstums- bzw. Krisenmanagements gefragt.

Die Autostädtetagung fand in Kooperation zwischen Martina Heßler (Professur für Neuere Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) und dem Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) der Stadt Wolfsburg statt. 

Weitere Informationen 

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Stadtplan Detmerodes (Ausschnitt)

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