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Vielfalt leben – Integrationspreis der Stadt Wolfsburg

Die Stadt Wolfsburg würdigt mit dem Integrationspreis Personen oder Gruppen, die im Bereich der Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte vorbildhaftes Engagement in Wolfsburg bewiesen haben.

Eine Gruppe Jugendlicher verschiedener Nationalitäten bildet einen Kreis

Stadt Wolfsburg vergibt Integrationspreis 2017

Für den mit 10.000 Euro dotierten Wolfsburger Integrationspreis können sich Engagierte bis zum 10. September 2017 bewerben. Die Preisübergabe wird am 28.Oktober in der Bürgerhalle des Wolfsburger Rathauses gebührend gefeiert. Um auf das wichtige Thema „Integration“ aufmerksam zu machen und für den Preis offensiv zu werben, startet die Stadt ihre Kampagne. „Mit der Vergabe macht die Stadt deutlich, dass sie das Engagement der Menschen, die sich ehrenamtlich für Integration einsetzen, ausdrücklich wertschätzt, honoriert und fördert“, betont Iris Bothe, Dezernentin für Jugend, Bildung und Integration.

Wenn Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern harmonisch zusammenleben, dann profitieren alle. Wolfsburg geht beim Thema Integration mit gutem Beispiel voran. Hier haben Menschen aus mindestens 145  Herkunftsländern ihre Heimat gefunden. Gelebte Integration ist ein Markenzeichen dieser Stadt.  An diese Erfolgsgeschichte knüpft der Integrationspreis der Stadt Wolfsburg an. Die Stadt vergibt ihn in Anerkennung und Würdigung an Personen oder Gruppen, die im Bereich der Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte vorbildhaftes Engagement in Wolfsburg geleistet haben. Dieses Engagement könnte sich beispielsweise im alltäglichen Miteinander zeigen, im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten, durch besondere Bildungs- sowie Kulturangebote oder durch verbindende Angebote in der Arbeitswelt. „Durch die Vergabe des Integrationspreises wird der Wolfsburger Öffentlichkeit deutlich, dass die offizielle Haltung der Stadt Wolfsburg sich gegen Ausgrenzung, Ablehnung und Diskriminierung stellt“, betont Sylvia Cultus, Leiterin des Integrationsreferates.

Mit dem Integrationspreis bietet die Stadt Wolfsburg eine Plattform, auf der Menschen tolle Projekte und Ideen präsentieren und mit ihrem Engagement Hemmschwellen abbauen können. Wo Integration gelingt, lernen sich Menschen besser kennen und schätzen. „Das bringt uns im alltäglichen Zusammenleben weiter, davon profitieren wir alle. Gutes zu tun und darüber zu reden, Lösungsideen aufzuzeigen und zu initiieren, zeigen, wie wir in Wolfsburg in Vielfältigkeit gut zusammen leben können – das ist, worauf es ankommt“, wirbt Sylvia Cultus außerdem für ein respektvolles Miteinander.

Stadträtin Iris Bothe fasst das Anliegen und die Haltung der Stadt zusammen: „Mit dem Integrationspreis der Stadt Wolfsburg wollen wir für die Lebenslagen der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sensibilisieren. Gleichzeitig signalisiert die Stadt Wolfsburg ihre klare Haltung gegen Ausgrenzung, Ablehnung und Diskriminierung. Das Thema geht uns alle an“. 

Bewerbungen

Bewerbungen können an das Integrationsreferat der Stadt Wolfsburg unter Telefon 05361 28-2672 oder per E-Mail an integrationsreferat@stadt.wolfsburg.de gerichtet werden. 

Zeichnung eines Antrages und eines Stiftes; Grafik: martialred / Fotolia.com


Nutzen Sie unser Online-Bewerbungsformular (öffnet sich in einem neuen Fenster)


Richtlinie zum Integrationspreis Wolfsburg (*PDF - öffnet sich in einem neuen Fenster)


Eine Chance schafft viele Perspektiven

Tierarztpraxis Alexandra Kaltenbrunn de Weert stellte Anastasia Zaytseva aus Russland einen Ausbildungsplatz zur Verfügung (Integrationspreis 2015)

„Wir sind über ein Plakat auf den Preis aufmerksam geworden und waren anfangs nicht sicher, ob wir als Tierarztpraxis da überhaupt mitmachen sollten“, berichtet Alexandra Kaltenbrunn de Weert. „Wir dachten, dass es eher um Vereine und große Gruppen geht. Der Preis ist für uns eine tolle Wertschätzung und hat für uns einen sehr hohen ideellen Wert. Mit dem Preisgeld bauen wir für Anastasia eine Vermögensplanung auf. An Anastasia haben wir immer geglaubt und wussten, sie schafft das schon. Jetzt sind wir sehr stolz auf sie und schreiben diese kleine Erfolgsgeschichte gemeinsam weiter. Wir werden Anastasia nach der Prüfung im Juni 2017 übernehmen.“ „Ich bin meiner Chefin sehr dankbar“, betont Anastasia und freut sich über einen weiteren Baustein für ihre Zukunft: „Durch die Ausbildung habe ich endlich eine befristete Aufenthaltsgenehmigung bekommen.“

Sprache lernen – mit Freude singen 

Flüchtlingshilfe und IG Metall Chor: Sprachkurse für Flüchtlinge (Integrationspreis 2015), Chor Gegenwind (Integrationspreis 2012)

Die ehemalige Lehrerin Mechthild Hartung hat die Erfahrung gemacht, dass Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge viel mehr ist als das reine Vermitteln und Lernen der Sprache. „Mein Engagement geht weit über den Deutsch-Unterricht hinaus“, sagt sie. „Wenn man sich für diese Menschen engagiert, dann entwickeln sich oft intensive Beziehungen. Nicht selten werden dann aus Lernenden Paten und aus Paten FreundInnen – und diese Verbindung besteht oft jahrelang. Sprache sehe ich als Eintrittskarte in die Gesellschaft und als die entscheidende Möglichkeit, bei uns überhaupt Fuß zu fassen. Deshalb nehme ich diese oft mühsame Arbeit gerne auf mich. Man muss einfach dranbleiben, Spaß vermitteln und in kleinen Schritten denken.“

Ausländische Fachkräfte erfolgreich integrieren

Diakonisches Werk Wolfsburg e.V.: Willkommenskultur für Pflegekräfte aus dem Ausland (Integrationspreis 2015), Pro Integration (Integrationspreis 2013)

„Wir benötigen die Mitarbeiter aus dem Ausland, weil wir bei uns besonders im Pflegebereich einen chronischen Fachmangel haben“, erklärt Daniela Engelbrecht, Personalleiterin beim Diakonischen Werk. Deshalb geht das Dienstleistungsunternehmen in die Offensive und rekrutiert im Ausland seit 2014 Fachkräfte bzw. seit 2015 Auszubildende für den Bereich Altenpflege. „Wenn wir Menschen nach Wolfsburg holen, dann ist es unser Anspruch, dass sie sich hier wohlfühlen. Deshalb wollen wir sie auf dem Weg der Integration unterstützen.“ Daniela Engelbrecht erklärt die Bedeutung des Preises so: „Für uns ist die wichtigste Anerkennung, dass Stadt und Öffentlichkeit unsere erfolgreichen Integrationsbestrebungen wahrnehmen. Darüber hinaus sehen auch andere, wie unser Weg funktioniert. Nicht zuletzt hat der Integrationspreis einen ganz wichtigen Effekt: Er öffnet weitere Türen.“

Die Brückenbauerinnen 

Stadtteilmütter: Förderung des Austausches von Müttern verschiedener Nationalitäten, Verbesserung der Integration im Stadtteil (Integrationspreis 2013)

Besme Sebki absolvierte 2010 die Schulung zur Stadtteilmutter. Inzwischen arbeitet sie bei der Stadt Wolfsburg und betreut ihrerseits Stadtteilmütter nach deren Schulung: „Diese Aufgabe ist sehr anspruchsvoll, aber das Engagement bereitet mir sehr viel Freude. Für uns gibt es immer viel zu tun. Als 2015 viele Flüchtlinge gekommen sind, waren wir besonders aktiv und konnten mit unserer Unterstützung sehr vielen Familien helfen. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, wie es ist, hier als Kind mit Migrationshintergrund aufzuwachsen. Deshalb bin ich froh, dass  ich diese Erfahrung weiter geben kann und Menschen auf dem Weg der Integration unterstützen kann.“ Ursula Cremer, die für die Koordination der Stadtteilmütter zuständig ist, ergänzt: „Eine entscheidende Erfahrung der Stadtteilmütter scheint zu sein, dass sie Ihre eigene kulturelle Identität bewahren dürfen und sich dennoch gut in das Leben hier integrieren können. Durch die Ausbildung fühlen sie sich ermutigt, sich als Wolfsburger Bürgerinnen einzubringen und somit die  Lebenswelt für sich und ihre Familie in der Gesellschaft mitgestalten zu können.“

Mit dem Schwimmen ein Stück Freiheit gewinnen 

DLRG Ortsgruppe Wolfsburg e.V.: Projekt „Bewegung und Gesundheit – Mehr Migrantinnen in den Sport“ 
Mädchen und Frauen lernen schwimmen (Integrationspreis 2013)

Den Hintergrund des Netzwerkprojekts „Bewegung und Gesundheit - mehr Migrantinnen in den Sport“ beschreibt die DLRG Ortsgruppe Wolfsburg e.V. so: „Das gesellschaftliche Leben findet in den vielen Vereinen und Verbänden statt (…) Leider finden gerade die weiblichen Zuwanderer nicht immer den Zugang, da ihre Bedürfnisse und kulturellen Werte oftmals schon auf institutioneller Ebene nicht ausreichend anerkannt werden. Die DLRG Ortsgruppe Wolfsburg e.V. möchte ihren Teil zur besseren Einbindung von Mädchen und Frauen mit Zuwanderergeschichte in das Vereinsleben beitragen…“ Werner Jacobs engagiert sich seit über 50 Jahren bei der DLRG und mit viel Herzblut für das Integrationsprojekt, bei dem vor allem muslimische Frauen schwimmen lernen können. Der Schatzmeister der DLRG-Ortsgruppe Wolfsburg berichtet, dass die Umsetzung dieses Projekts, dass 2009 startete, eine große Herausforderung für alle Beteiligten war. „Aber es lohnt sich, weil Menschen, die schwimmen können, einfach Lebensfreude und ein Stück Freiheit gewinnen. Wir wollen deshalb Flüchtlinge mit unseren Projekten begleiten und sie auch ins Vereinsleben integrieren. Insgesamt haben über 60 Frauen in 2016 an unserem Projekt teilgenommen.“

„Wir sehen den ganzen Menschen.“

Flüchtlingshilfe Wolfsburg: Beratung, Herstellung sozialer Kontakte, Orientierungshilfen im sozialen Bereich, Hilfen im Asylverfahren (Integrationspreis 2012)

Die Deutsch-Lehrerin Betty Rannenberg gehört zu einer Gruppe von Ehrenamtlichen, die sich um Flüchtlinge kümmert und Patenschaften übernimmt. Sie ist seit 30 Jahren – und damit von Anfang an – in der Flüchtlingshilfe aktiv. „Unser Engagement dreht sich um den ganzen Menschen. Wir unterstützen bei vielen Themen. Das umfasst Asylverfahren, Familienzusammenführung, Wohnung, Kindergartenplatz und Einschulung und reicht bis hin zu schwierigen Krankheitsfällen.“ Am meisten freut sich Betty Rannenberg über positive Wendungen von menschlichen Schicksalen. „Ich erinnere mich an eine Frau, die damals mit ihren kleinen Kindern zu uns gekommen ist und heute im Job-Center arbeitet. Und ich habe Kinder heranwachsen sehen, die  heute im Rathaus arbeiten, Juristen, Lehrerinnen oder Ingenieure geworden sind.“

Beispiele einiger ehemaliger Preisträger

(in alphabetischer Reihenfolge)

Daniela Engelbrecht und Nadja Kusel vom Diakonischen Werk WolfsburgIntegrationspreis 2013 (Pro Integration)
Integrationspreis 2015 (Willkommenskultur für Pflegekräfte aus dem Ausland)

Ausländische Fachkräfte erfolgreich integrieren
Fachkräfte im Ausland gewinnen
„Wir benötigen die Mitarbeiter aus dem Ausland, weil wir bei uns besonders im Pflegebereich einen chronischen Fachmangel haben“, erklärt Daniela Engelbrecht, Personalleiterin beim Diakonischen Werk. Deshalb geht das Dienstleistungsunternehmen in die Offensive und rekrutiert im Ausland seit 2014 Fachkräfte bzw. seit 2015 Auszubildende für den Bereich Altenpflege. „Wenn wir Menschen nach Wolfsburg holen, dann ist es unser Anspruch, dass sie sich hier wohlfühlen. Deshalb wollen wir sie auf dem Weg der Integration unterstützen“, betont Daniela Engelbrecht.

Nadja Kusel, Personalreferentin beim Diakonischen Werk beschreibt, wie die Kontaktaufnahme funktioniert: „Wir veröffentlichen auch englischsprachige Stellenausschreibungen im Internet, arbeiten mit der Agentur für Arbeit ebenso zusammen, wie mit der Zentralen Auslandsvermittlung, die uns manchmal auch Bewerbungsunterlagen zukommen lässt. Oft läuft der erste Kontakt zu den Menschen in ihrem Heimatland über Skype-Interviews. Wir profitieren also stark von den neuen Medien und der Tatsache, dass die Azubis, die aus Drittstaaten kommen, miteinander kommunizieren. Es soll sogar eine Facebook-Seite geben, die uns als Arbeitgeber empfiehlt. Dieser Weg funktioniert so gut, dass wir in diesem Jahr zum dritten Mal eine eigene Ausbildungs-Klasse für Menschen mit Migrationshintergrund einrichten können.“

Grundsätzlich können sich natürlich auch Flüchtlinge von hier bewerben. Diese kommen aber vielfach ohne Schulzeugnisse. Die Ausbildung in der Altenpflege erfordert allerdings ein beglaubigtes Zeugnis mit Abschluss der Sekundarstufe I. „Prinzipiell ist der Weg für alle offen“, erklärt Daniela Engelbrecht. „Wir rekrutieren Mitarbeiter aus dem Ausland, weil wir unseren Bedarf in Wolfsburg oder auf dem nationalen Markt nicht decken können.“

Wie geht es weiter, wenn Menschen, die hier ihre Ausbildung absolvieren wollen, nach Wolfsburg kommen? 
„Wir vermitteln beispielsweises  -für das erste Jahr oder länger - möblierten Wohnraum, unterstützen bei allen Prozessen rund um Dokumente, Visum, Kontoeröffnung oder Krankenkasse und begleiten unsere Azubis bis zum B2-Sprachniveau“, berichtet Nadja Kusel. „Wir helfen bei individuellen Notlagen und unterstützen bei der Familienzusammenführung. Und bevor die Ausbildung startet, können unsere Azubis schon vorher anreisen, Wolfsburg kennenlernen und einen Intensiv-Sprachkurs besuchen. Einige Auszubildende holen, nach bestandener Probezeit, ihre Familien nach Deutschland. Gerne helfen wir nicht nur bei der Familienzusammenführung, sondern auch bei einer möglichen Jobvermittlung der Ehepartner und bei der Anmeldung in Kitas und Schulen im Raum Wolfsburg.  Die Familienzusammenführungen und die Weiterempfehlung einer Ausbildung bei uns im Unternehmen ist positives Zeichen dafür, dass sie bei uns gut angekommen sind.“

Willkommenskultur und Patenschaften
Für die erfolgreiche Integration ihrer Mitarbeiter leistet das Unternehmen sehr viel. „Wir haben Mitarbeiter und Führungsriege in interkultureller Kommunikation und Willkommenskultur geschult“, berichtet Daniela Engelbrecht. „Und wir organisieren eine Willkommensveranstaltung, an denen sich alle neuen Auszubildenden eines Jahrgangs  untereinander kennenlernen können. Außerdem vermitteln wir nicht nur Wohnraum, wir haben auch selbst neu gebaut.“ Zudem organisiert das Diakonische Werk Patenschaften für die neuen Mitarbeiter, die nach Deutschland kommen. Dabei kommt es oft zu intensiven Beziehungen. „Für eine schwangere Auszubildende von den Philippinen fungiert beispielsweise eine ehemalige Mitarbeiterin quasi als Vertrauensperson und wird dabei von ihrer ganzen Familie unterstützt“, berichtet Daniela Engelbrecht. „Generell interpretieren wir unser Engagement sehr weit. So sorgen wir nicht nur dafür, dass die Kinder der ausländischen Mitarbeiter in der Schule gut aufgenommen werden, sie bekommen von uns auch die erste Schulausstattung.“

Herausforderungen
„Die Menschen kommen mit fast allen Problemstellungen zu uns, so dass wir auf Grund unserer Ressourcen in der Personalabteilung im Rahmen der Betreuung auch manchmal Grenzen ziehen müssen bzw. die Anliegen an zuständige Behörden delegieren müssen“, berichtet Daniela Engelbrecht. „Gleichzeitig bekommen wir manchmal auch den Neid von einigen Mitarbeitern zu spüren, die sich gegenüber ihren ausländischen Kollegen benachteiligt fühlen. Gerade im Hilfskraftbereich, vermuten viele, dass es dafür bei uns genug Personal gäbe. Dem ist aber nicht so. Drittstaatler bekommen den Aufenthaltsstatus sowie die Arbeitserlaubnis nur dann, wenn der Bedarf an Mitarbeitenden in diesem Bereich nicht am deutschen Arbeitsmarkt abgedeckt werden kann und der Beruf als ein sogenannter reglementierter Beruf von der Europäischen Kommission klassifiziert worden ist.“

Welche Bedeutung hat der Preis?
„Für uns ist die wichtigste Anerkennung, dass Stadt und Öffentlichkeit unsere erfolgreichen Integrationsbestrebungen wahrnehmen“, betont Daniela Engelbrecht. „Außerdem wird sichtbar, dass auch wir auf Unterstützung angewiesen sind. Darüber hinaus sehen auch andere, wie unser Weg funktioniert. Das Preisgeld fließt in einen Topf, aus dem wir beispielsweise die Erstausstattung für die Einschulung bezahlen oder einen Wohnungsleerstand überbrücken. Nicht zuletzt hat der Integrationspreis einen ganz wichtigen Effekt: Er öffnet weitere Türen.“

Werner Jacobs von der DLRG WolfsburgProjekt „Bewegung und Gesundheit – Mehr Migrantinnen in den Sport“ 

Mädchen und Frauen lernen schwimmen - Integrationspreis 2013


Mit dem Schwimmen ein Stück Freiheit gewinnen


Den Hintergrund des Netzwerkprojekts „Bewegung und Gesundheit - mehr Migrantinnen in den Sport“ beschreibt die DLRG Ortsgruppe Wolfsburg e.V. so: „Das gesellschaftliche Leben findet in den vielen Vereinen und Verbänden statt (…) Leider finden gerade die weiblichen Zuwanderer nicht immer den Zugang, da ihre Bedürfnisse und kulturellen Werte oftmals schon auf institutioneller Ebene nicht ausreichend anerkannt werden. Die DLRG Ortsgruppe Wolfsburg e.V. möchte seinen Teil zur besseren Einbindung von Mädchen und Frauen mit Zuwanderergeschichte in das Vereinsleben beitragen und beteiligt sich am Bundesdeutschen Projekt ‚Bewegung und Gesundheit - mehr Migrantinnen in den Sport‘.“

Werner Jacobs engagiert sich seit über 50 Jahren bei der DLRG und mit viel Herzblut für das Integrationsprojekt, bei dem vor allem muslimische Frauen schwimmen lernen können. Der Schatzmeister der DLRG-Ortsgruppe Wolfsburg berichtet, dass die Umsetzung dieses Projekts, dass 2009 startete, eine große Herausforderung für alle Beteiligten war. „Aber es lohnt sich, weil Menschen, die schwimmen können, einfach Lebensfreude und ein Stück Freiheit gewinnen. Wir wollen deshalb Flüchtlinge mit unseren Projekten begleiten und sie auch ins Vereinsleben integrieren. Insgesamt haben über 60 Frauen in 2016 an unserem Projekt teilgenommen. Uns geht es vor allem darum, dass die Menschen vorm  ertrinken bewahrt werden.“

Petra Brosig die bei der DLRG das Anfängerschwimmen für Frauen mit Frauenfrühstück und einem Erste-Hilfe-Kurs leitete, erinnert sich: „Über die Diakonie kamen wir in Kontakt mit einer Gruppe von interessierten Frauen, die davon träumten, schwimmen zu können. Ein Bad nur für die Frauen musste her. Das fand Werner Jacobs in einem kleinen Therapiebecken bei der Lebenshilfe Westhagen. Unser Kurs war sofort voll. Er bestand aus zehn vorwiegend arabischen und türkischstämmigen Frauen. Wie Verdurstende sich aufs Wasser stürzen mögen, so stürzten sich unsere Frauen einfach nur voller Freude ins Wasser und tobten herum. Es ging sehr laut und fröhlich zu. Freiraum zu haben und sich auszuprobieren, das Wasser selbst zu erfahren, war allen ein elementares Bedürfnis. Die Stunde gehörte ihnen. Hier schöpften sie Kraft für die nächste Woche. Hier waren sie stolz auf sich und das, was sie erreichten. Außerhalb des Wassers führten wir neben dem Erste-Hilfe-Kurs regelmäßig ein Frauenfrühstück durch. Das erfreute sich großer Resonanz. Selbst die Kleinsten wurden mitgebracht. (…) Die Frauen konnten dann themenbezogen diskutieren und sich austauschen. Eine besondere Hilfe erhielten wir dabei vom Frauenhaus mit Dr. Kati Zenk. Hier ging es in Gesprächen und Arbeitsgruppen um Integration und wir haben viel voneinander gelernt.  

Nach der Ausbildung in dem Therapiebecken, in dem die Frauen unter sich waren, versuchte ich, die Frauen zu ermuntern doch einmal in unser öffentliches Bad zu kommen. (…) Beim ersten Mal kamen drei Frauen. Sie waren sehr unsicher und fühlten sich in dem großen Bad sichtlich unwohl. Natürlich hatten sie mehr an als andere Badegäste und waren dadurch auffällig. Aber sie haben es geschafft auf der Bahn zu schwimmen. Im weiteren Verlauf kamen mal mehr mal weniger (…) Auf ein Schwimmabzeichen legten die Frauen großen Wert. So konnten sie auch zu Hause dokumentieren, dass sie endlich schwimmen konnten (…) Neben dem Brustschwimmen können die Frauen jetzt auch Kraulschwimmen. Sie können springen und tauchen und bewegen sich sicher im Wasser. Elemente aus dem Rettungsschwimmen haben sie auch schon kennen gelernt. Es war nicht immer leicht mit den Frauen. Ihre Reaktionen waren für mich nicht immer verständlich. Aber ich bin auf dem Weg. Wir alle haben viel Freude und Spaß gehabt. (…) Unser Schwimmunterricht wird weiterempfohlen.

Die DLRG Wolfsburg führt das Projekt weiter. Zunächst waren es Frauen mit Migrationshintergrund, jetzt können  alle  Frauen in das Angebot aufgenommen werden. Wir wünschen uns Frauenschwimmzeiten für Bäder und Toleranz gegenüber Badebekleidung, die mehr bedeckt als nur das Nötigste. Manche Mütter erlauben ihren Töchtern jetzt schon an allem teilzuhaben.“

Das Preisgeld wurde für die Weiterführung des Projekts, Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund das Schwimmen zu lehren, verwendet.


Mechthild Hartung von der Flüchtlingshilfe Chor GegenwindChor Gegenwind (Integrationspreis 2012), Sprachkurse für Flüchtlinge (Integrationspreis 2015)

Sprache und Freude am Leben vermitteln

Die ehemalige Lehrerin Mechthild Hartung hat die Erfahrung gemacht, dass Deutsch-Unterricht für Flüchtlin-ge viel mehr ist als das reine Vermitteln und Lernen der Sprache. „Mein Engagement geht weit über den Deutsch-Unterricht hinaus“, sagt sie. „Wenn man sich für diese Menschen engagiert, dann entwickeln sich oft intensive Beziehungen. Nicht selten werden dann aus Lernenden Paten und aus Paten FreundInnen – und diese Verbindung besteht oft jahrelang.“

Politisches Engagement war Mechthild Hartung immer wichtig. Ihre langjährige Arbeit in der VVN-Bund der AntifaschistInnen und der Flüchtlingshilfe sowie die Mitgestaltung im Chor Gegenwind  werden durch ihre Einstellung zum Leben geprägt: „Mein Leitsatz lautet, dass man nicht aufgeben darf. Man muss sich auch unter schwierigen Bedingungen für die Werte, für die man steht, einsetzen. Der Gewerkschaftschor der IG Metall will mit Hilfe der Kultur und der Musik positive Werte unserer Gesellschaft transportieren. Vor allem aber wollen wir die Freude am Leben vermitteln. Deshalb spürt man in dem Chor, der einmal wöchentlich probt und zu politischen Anlässen wie dem 8.Mai öffentlich auftritt, ein lebendiges Miteinander.“ 

Die ersten beiden Flüchtlinge, die sie für den Chor gewonnen hat, kamen aus Togo. „Wir haben uns bei Ge-sprächen der Flüchtlingsberatung kennengelernt. Da im Hintergrund afrikanische Musik lief, fragten sie nach. Ich habe ihnen von unserem Chor erzählt (dort singen wir u.a. afrikanische Lieder). Sie konnten sich dafür begeistern und waren mit Freude dabei. Später wurde aus einer hier Geborenen und einem Togoer ein Paar. 
Der Weg dahin verlief allerdings sehr dramatisch. Gerade hatten sie das Aufgebot bestellt, als der Mann kurzfristig nach Togo abgeschoben wurde, weil man das Ganze für eine Schein-Ehe hielt. Die Frau hat ihn dann in Togo geheiratet. Am Ende entwickelte sich daraus ein aufwändiger Prozess der Familienzusammen-führung, der nicht nur sehr teuer war, sondern menschlich auch sehr dramatisch.“ 

Über ihr Engagement, Flüchtlingen Deutsch zu vermitteln, sagt Mechthild Hartung: „Sprache sehe ich als Eintrittskarte in die Gesellschaft und als die entscheidende Möglichkeit, bei uns überhaupt Fuß zu fassen. Deshalb nehme ich diese oft mühsame Arbeit gerne auf mich. Manchmal bedarf es einer großen Frustrati-onstoleranz. Flüchtlinge sind stark belastet und haben die unterschiedlichsten Motive dem Unterricht fern zu bleiben. Man muss einfach dranbleiben, Spaß vermitteln und in kleinen Schritten denken. Die Gruppen sind heterogen bzgl. Alter, Familienstand, Herkunft, Religion, Geschlecht, Sprache und Bildung. Dort sitzen oft Analphabeten neben Studenten und Lehrern. Da braucht es viel Geduld und Durchhaltevermögen – und zwar auf beiden Seiten! Ich verbinde das Lehren der Sprache oft mit Aktivitäten wie Singen, Backen, Modellieren oder Zeichnen. So haben wir immer auch sehr viel Spaß!“

Die Preisgelder wurden wie folgt verwendet: Mit dem Preisgeld für den IG-Metall-Chor konnten die durch einen Umzug nach Berlin höheren Fahrkosten des Chorleiter Georg Baumgärtner noch länger finanziert werden. Das Preisgeld für ihre Integrationsarbeit als Deutschlehrerin hat Mechthild Hartung
in zahlreiche kleine Einzelposten aufgeteilt. Dazu zählen: Schulmaterialien, Nähmaschine, Babywärmfla-schen, Backmaterialien, die Unterstützung eines Kinder Sponseringslaufs für eine Schule in Haiti, die Unter-stützung einer Familie sowie die Fahrkarten für einen jungen Mann, der seine Mutter in Königslutter so oft wie möglich besuchen wollte.

Betty Rannenberg FlüchtlingshilfeBeratung, Herstellung sozialer Kontakte, Orientierungshilfen im sozialen Bereich, Hilfen im Asylverfahren
(Integrationpreis 2012)

„Wir sehen den ganzen Menschen.“

Die Deutsch-Lehrerin Betty Rannenberg gehört zu einer Gruppe von Ehrenamtlichen, die sich um Flüchtlinge kümmert und Patenschaften übernimmt. Sie ist von Anfang an, also seit inzwischen 30 Jahren, in der Flüchtlingshilfe aktiv. Damals, so erzählt sie, gab es wie heute, Gegenwind gegen Flüchtlinge. Sie erinnert sich an die Anfangszeiten, an ein Heim am Robert-Bosch-Weg mit Flüchtlingen aus Afrika, an viele Familien aus dem Libanon, die im Jugendgästehaus und an eine kleine Gruppe von Indern, die in Vorsfelde in der Bahnhofsstraße untergebracht worden sind. „Damals bildeten sich drei Gruppen. Ich gehörte zu der Gruppe, die sich um die Menschen aus dem Libanon kümmerte. 1987 haben wir dann den Verein gegründet.“ Inzwischen unterhält die Flüchtlingshilfe ein Büro. Unterstützt werden die Ehrenamtlichen durch einen fest angestellten Berater und eine Verwaltungskraft. 

„Unser Engagement dreht sich um den ganzen Menschen. Wir unterstützen bei vielen Themen. Das umfasst Asylverfahren, Familienzusammenführung, Wohnung, Kindergartenplatz und Einschulung und reicht bis hin zu schwierigen Krankheitsfällen.“ Am meisten freut sich Betty Rannenberg über positive Wendungen von menschlichen Schicksalen. „Ich erinnere mich an eine Frau, die damals mit ihren kleinen Kindern zu uns gekommen ist und heute im Job-Center arbeitet. Und ich habe Kinder heranwachsen sehen, die  heute im Rathaus arbeiten, Juristen, Lehrerinnen oder Ingenieure geworden sind. Diese Erfolgsgeschichten bleiben aber positive Einzelbeispiele im Verhältnis zu der Riesenzahl der Menschen, die 2015 zu uns gekommen sind. Manchmal sind wir auch etwas frustriert, wenn wir uns für einen Menschen besonders stark engagiert haben und es keine positive Entwicklung gibt. Ich musste beispielsweise gerade jemanden trösten, der sich für einen jungen Mann eingesetzt hatte, der nach einem halben Jahr seine Lehre geschmissen hat, weil  ihm die Berufsschule zu schwer erschien.“ 

Es gibt aber weitere frustrierende Erlebnisse. Dazu zählen Anfeindung, die sich gegen Flüchtlinge und Unterstützer richten: „Anonyme Beschimpfungen am Telefon hat jeder von uns schon einmal erlebt. In 2015 war die Atmosphäre anfangs sehr gut, wir haben damals viele Spenden bekommen. Diese haben aber im Laufe von 2016 rapide abgenommen.“

Betty Rannenberg schaut aber nach vorne. Seit zwei Jahren hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge, die bereits die Sprachprüfung B2 gemacht haben, dazu zu motivieren, selbst beim Unterricht zu unterstützen. „Allerdings ist es nicht immer einfach, Flüchtlinge dazu zu bewegen. Ich verstehe aber auch, wenn die jungen Leute nachdem sie selbst ihre Sprachprüfung bestanden haben, sich lieber auf ihren eigenen Weg konzentrieren wollen.“

Das Preisgeld wurde für Bücher und Sprachkurse ausgegeben.

Besme Sebki von den Stadtteilmüttern-Förderung des Austausches von Müttern verschiedener Nationalitäten
-Verbesserung der Integration im Stadtteil
Integrationspreis 2013

Die Brückenbauerinnen

Besme Sebki absolvierte 2010 die Schulung zur Stadtteilmutter. Inzwischen arbeitet sie bei der Stadt Wolfsburg und betreut ihrerseits Stadtteilmütter nach deren Schulung: „Diese Aufgabe ist sehr anspruchsvoll, aber das Engagement bereitet mir sehr viel Freude. Für uns gibt es immer viel zu tun. Als 2015 viele Flüchtlinge gekommen sind, waren wir besonders aktiv und konnten mit unserer Unterstützung sehr vielen Familien helfen.“ Besme Sebki ist in Hamburg geboren, ihre Eltern stammen aus Tunesien. Heute lebt sie in Wolfsburg und ist hier angekommen: „Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, wie es ist, hier als Kind mit Migrationshintergrund aufzuwachsen. Deshalb bin ich froh, dass  ich diese Erfahrung weiter geben kann und Menschen auf dem Weg der Integration unterstützen kann. Ich freue mich, dass Wolfsburg so eine offene Stadt geworden ist. Und dass es für Menschen mit Migrationshintergrund Möglichkeiten gibt, auch mal aus der Wohnung rauszukommen und die Angebote der Stadt Wolfsburg nutzen zu können.“

Die erste Stadtteilmütter-Ausbildung startete als Pilotprojekt im Juni 2009. Bei dem Projekt, das vom Geschäftsbereich Jugend der Stadt Wolfsburg durchgeführt wird, nahmen bis 2016 über 100 Mütter mit Zuwanderungsgeschichte teil. Sie stammen aus rund 30 unterschiedlichen Ländern und sprechen 15 verschiedene Muttersprachen. Die zehnmonatige Schulung vermittelt eine Vielzahl von Inhalten und Kompetenzen. Dazu zählen das freie Reden vor größeren Gruppen, interkulturelles Verständnis sowie Erziehungsmethoden für eine gesunde körperliche und geistig-seelische Entwicklung der Kinder. Auch die Sprachentwicklung und -förderung steht im Fokus der Unterrichtseinheiten. 

„Die meisten Stadtteilmütter möchten gerne als Vermittlerinnen für Sprache und Kultur in Kitas, Grundschulen und weiteren Einrichtungen tätig werden“, erklärt Sylvia Cultus, Leiterin des Integrationsreferates der Stadt Wolfsburg. „Sie sind bereit für ein Ehrenamt und nutzen die Schulung auch, um die Bildungschancen im eigenen Familien- und Kulturkreis zu erweitern. Die Ausbildung erhöht darüber hinaus die Chancen auf einen Einstieg oder Wiedereinstieg in das Berufsleben.“

Die Einsatzorte der Stadtteilmütter sind vielfältig. Sie umfassen die Begleitung von Elterngesprächen in Kitas und Familienzentren, die Unterstützung bei Elternbefragungen sowie die Kinderbetreuung bei Elternratssitzungen oder sonstigen Bildungsangeboten. An Ganztagsschulen können Tagesmütter eine Nachmittagsbetreuung sowie an Grundschulen unterschiedliche AG’s anbieten. Und in Sprachlernklassen und Asylbewerberheimen vermitteln sie weitere Informationen hinsichtlich Sprache, Kultur und gesetzlichen Vorgaben. Katharina Varga, Leiterin des Geschäftsbereichs Jugend, betont die vielseitige Einsetzbarkeit: „Im Prinzip sind die Stadtteilmütter als Brückenbauerinnen aktiv. Sie vermitteln zwischen Eltern mit Zuwanderungsgeschichte und pädagogischen Mitarbeitern in den jeweiligen Einrichtungen. Darüber hinaus können Sie beispielsweise vom Allgemeinen Sozialen Dienst und dem Baby-Besuchsdienst angefragt werden, wenn es auch in diesem Bereich zu Problemen in Hinsicht auf die Verständigung kommt.“ Und Ursula Cremer, die für die Koordination der Stadtteilmütter zuständig ist, ergänzt: „Eine entscheidende Erfahrung der Stadtteilmütter scheint zu sein, dass sie Ihre eigene kulturelle Identität bewahren dürfen und sich dennoch gut in das Leben hier integrieren können. Durch die Ausbildung fühlen sie sich ermutigt, sich als Wolfsburger Bürgerinnen einzubringen und somit die  Lebenswelt für sich und ihre Familie in der Gesellschaft mitgestalten zu können.“

Das Preisgeld ist noch vorhanden, berichtet Besme Sebki: „Wir wollten damit etwas machen, was allen Stadtteilmüttern zu Gute kommt.“

Anastasia Zaytseva und Frau Kaltenbrunn von der TierarztpraxisStellt Anastasia Zaytseva aus Russland einen Ausbildungsplatz zur Verfügung (Integrationspreis 2015)

Eine Chance schafft unendlich viele Perspektiven

Anastasia Zaytseva, die 2010 aus Russland nach Deutschland kam, hatte einen Herzenswunsch: eine Ausbildung in einer Tierarztpraxis. Also begab sie sich auf die Suche. „Es war sehr, sehr schwierig“, erinnert sie sich. „Ich hatte keine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung, sondern nur ein Visum für zwei Jahre, das regelmäßig verlängert wurde. Für die Tierarztpraxen war das ebenso ein Problem wie die Tatsache, dass ich keine guten Sprachkenntnisse vorweisen konnte. Obwohl ich viel gearbeitet habe, hatte ich es im Job und privat fast nur mit Menschen zu tun, die russisch sprachen. Und so suchte ich vier Jahre lang verzweifelt nach einem Ausbildungsplatz. Eigentlich wollte ich schon aufgeben. Dann habe ich aber doch noch Glück gehabt und meine Chefin Frau Kaltenbrunn kennengelernt. Sie hat mir nach einem Praktikum die Chance gegeben, in ihrer Praxis eine Ausbildung zu absolvieren.“

Auch Alexandra Kaltenbrunn de Weert erinnert sich an die Zeit, als sie Anastasia kennengelernt hat: „Eigentlich hatten wir weder das Problem, Fachkräfte zu finden, noch haben wir uns bewusst mit dem Thema Integration beschäftigt. Damals erfuhren wir über einen befreundeten Kollegen aus Braunschweig von einer fähigen, jungen Praktikantin, die er leider nicht in eine Ausbildung übernehmen konnte. Also haben wir ihr bei uns zum Kennenlernen ein Praktikum angeboten. Und Anastasia hat uns überzeugt. Sie hat uns nicht nur mit ihrer Art beeindruckt, wie sie mit Tieren umgeht, sondern auch menschlich begeistert. Aspekte, die mir viel wichtiger sind, als die Tatsache, wo jemand herkommt und ob er die Sprache beherrscht. Bei uns stehen nun einmal die Tiere im Mittelpunkt. Und besonders da hat Anastasia mich begeistert. Bei ihr werden die wildesten Katzen ganz zahm. Einfach fantastisch! Außerdem hat sich Anastasia ganz toll in unser 12-köpfiges Team integriert. Sie hat ihre Aufgaben gemeistert und liefert in der Schule gute Noten. Wir sind mit ihr einfach sehr glücklich.“ 

Was hat der Preis bewirkt, was geschieht mit dem Preisgeld?

„Wir sind über ein Plakat auf den Preis aufmerksam geworden und heute sehr froh, dass wir mitgemacht haben“, erklärt Alexandra Kaltenbrunn de Weert. „Zumal wir nicht sicher waren, ob wir als Tierarztpraxis überhaupt angesprochen waren. Wir dachten zuerst, dass der Preis sich eher an Vereine und große Initiativen richtet. Den Preis verstehen wir als tolle Wertschätzung, er hat für uns einen sehr hohen ideellen Wert. Über das Preisgeld von 1.000 Euro haben wir uns lange Gedanken gemacht. Schließlich haben wir uns entschieden, für Anastasia eine Vermögensplanung aufzubauen. Also haben wir das Geld in einen Rentenfond gesteckt und seit dem Gewinn des Preises monatlich noch einmal 40 Euro extra eingezahlt. Wenn Anastasia die Praxis einmal verlassen wird, dann bekommt sie von uns dieses Paket mit. Diesen Sockel kann sie dann später beispielsweise für ihre persönliche Rentensicherung verwenden. Somit ist das Preisgeld langfristig angelegt und verpufft nicht.“ Für Anastasia ist all das weit mehr als sie erwarten konnte: „Ich habe mit meiner Chefin und meiner Ausbildung einfach sehr viel Glück gehabt. Das weiß ich sehr zu schätzen.“ Als der Preis 2015 verliehen wurde, hat sie das erste Mal mehr über das Thema Integration erfahren, hat die Geschichten der anderen Preisträger gehört, die Arbeit einiger Organisationen und Vereine etwas näher kennengelernt. „Vielleicht kann auch ich eines Tages helfen, weil ich ja jede Menge persönliche Erfahrung mitbringe und selber jahrelang gekämpft habe, um hier Fuß zu fassen.“

Wie geht es weiter?

„Wir haben immer an Anastasia geglaubt und wussten, dass sie die Ausbildung schafft“, sagt Alexandra Kaltenbrunn de Weert. „Jetzt sind wir sehr stolz auf sie und schreiben diese kleine Erfolgsgeschichte gemeinsam weiter. Wir haben ein Mitarbeitergespräch geführt und werden Anastasia nach der Prüfung im Juni 2017 übernehmen. Sie bleibt also bei uns im Betrieb.“ „Ich bin meiner Chefin sehr dankbar“, betont Anastasia und freut sich über einen weitere gute Zukunftsperspektive: „Durch die Ausbildung habe ich endlich eine befristete Aufenthaltsgenehmigung bekommen.“ 



Die ehemaligen Preisträger an einem TischDie Stadt Wolfsburg hat den Integrationspreis  2015 „Vielfalt leben“ verliehen. Auf einer feierlichen Veranstaltung  in der Bürgerhalle sind die acht Preisträger heute für die vorbildhaftes Engagement ausgezeichnet worden: Privatpersonen, Vereine, soziale Einrichtungen und Unternehmen, die sich um die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Wolfsburg verdient gemacht haben. Die Veranstaltung stand im Zeichen der aktuellen Flüchtlingssituation. Das wurde nicht nur in den Ansprachen deutlich, auch viele Preisträger sind seit Jahren in der Flüchtlingsarbeit aktiv.

Der Integrationspreis geht in diesem Jahr an folgende Preisträger (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Dr. Khosrow Amirpour ist Mitbegründer des Deutsch-Arabischen Freundeskreis und der Beratungsstelle ZEUS. Außerdem ist er in der Flüchtlingshilfe aktiv (Preisgeld 750 Euro).
  • Rafik Dallali ist seit Jahren ehrenamtlich in der Jugendförderung tätig und unter anderem im Projekt „Hand in Hand“ aktiv, in dem Bürger als Sprachmittler Zuwanderern und Flüchtlingen dabei helfen, sich schnell und unkompliziert in Wolfsburg einzuleben (Preisgeld 750 Euro).
  • Das Diakonische Werk Wolfsburg e.V. pflegt eine Willkommenskultur für Pflegekräfte aus dem Ausland, bietet unter anderem Willkommenstage zur Orientierung für neue Pflegekräfte aus dem Ausland an und organisiert Sprachlehrer und Sprachkurse. Es wird sich im Besonderen  für die interkulturelle Öffnung eingesetzt (Preisgeld 1000 Euro).
  • Die Fraueninitiative Westhagen e.V. bietet im offenen Treff des Mütterzentrums bedarfsorientierte Angebote für die im Stadtteil lebenden Menschen an. Projekte wie das Nähstübchen und gemeinsames Kochen fördern die Begegnung von Menschen unterschiedlichster Kulturen (Preisgeld 1000 Euro).
  • Mechthild Hartung bietet für Flüchtlinge seit vielen Jahren ehrenamtlich eine erste Möglichkeit an Deutsch zu lernen. Dies ist besonders wichtig, damit die Menschen sich in Wolfsburg verständlich machen können (Preisgeld 750 Euro).
  • Die Tierarztpraxis Kaltenbrunnen stellt einen Ausbildungsplatz für eine Schülerin aus Russland zur Verfügung (Preisgeld 1000 Euro).
  • Ernestine und Leonhard Lang haben zahlreiche Flüchtlinge bei sich aufgenommen und diese im Alltag bei Arzt- und Behördengänge begleitet. Sie engagieren sich seit 40 Jahren in Wolfsburg und setzen sich für die Belange von Spätaussiedlern ein (Preisgeld 750 Euro).
  • Der Friseurbetrieb Lifestyle Group stellt drei Ausbildungsplätze für Flüchtlinge zur Verfügung (Preisgeld 4000 Euro).
„Mit dem Preis zeichnet die Stadt Menschen in Wolfsburg aus, die aktiv dazu beitragen, dass Integration gelingt und mit Leben gefüllt wird. Sie tragen dazu bei, dass sich Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in unserer Stadt zuhause fühlen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, hebt Oberbürgermeister Klaus Mohrs hervor. „Gleichzeitig möchte ich aber auch ausdrücklich all denjenigen meinen tiefempfundenen Dank aussprechen, die heute nicht ausgezeichnet wurden. Auch ihr beherztes Engagement verdient unsere größte Anerkennung und Wertschätzung“, so Mohrs weiter.

In der Jury des Integrationspreises sitzen Vertreter der im Rat vertretenen Parteien und der Verwaltung. Zu ihnen gehört auch Stadträtin Iris Bothe, die zusammen mit der Leiterin des Integrationsreferates, Sylvia Cultus, die Preisträger auszeichnete. Bothe hebt hervor, dass der Integrationspreis auch als Aufforderung für Nachahmer verstanden werden soll: „Wir wünschen uns, dass das tolle Engagement der Preisträger Vorbild für weitere Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Firmen oder soziale Einrichtungen ist, mitzumachen oder eigene Projekte zu starten. Vielleicht sind sie die Preisträger von morgen.“

Auch der Unterstützerkreis für Flüchtlinge in Vorsfelde wurde mit einer Anerkennung bedacht: „Zwar gab es keine Bewerbung,“ betont Sylvia Cultus, „allerdings hat Herr Dörr als Ortsratsmitglied darauf hingewiesen, dass die Initiatoren schnell und  tatkräftig angesichts der besonderen Situation vor Ort die Ärmel hochgekrempelt haben und sich für die Flüchtlinge in Vorsfelde herausragend engagieren.“

Der Vorsfelder Unterstützerkreis ist ein Vorbild für die unkomplizierte Initiierung weiterer Unterstützerkreise an fast allen Standorten von Flüchtlingsunterkünften in ganz Wolfsburg. Das Engagement von ehrenamtlich Tätigen für Flüchtlinge verdient besondere Anerkennung. Die Veranstaltung wurde von Feridun Öztoprak moderiert und von Atilla Sentürk musikalisch begleitet.

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1 Kommentare

Adnan Sabedinaj 07.08.2015 10:34:16
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Vielfalt leben

Sowohl in der Vergangenheit als auch heute gibt es immer wieder herausragende Beispiele bürgerschaftlichen Engagements, das neu Zugewanderten Brücken baut, um ihnen das Ankommen und das Einleben in der hiesigen Gesellschaft zu ermöglichen

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