Ehrenamt im Museum

Mein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur

Zeichnung des StadtmuseumsFoto: Zeichnung des StadtmuseumsHallo, ich heiße Annika Walter, bin 19 Jahre alt und habe vom 1. September 2014 bis zum 31. August 2015 mein FSJ Kultur in den Historischen Museen Wolfsburg gemacht. FSJ Kultur ist eine Abkürzung und steht für ‚Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur‘. Dieses Jahr ist für junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren als ein Orientierungsjahr gedacht und bietet einem zahlreiche Einblicke in sämtliche Bereiche der Kultur. Ich komme ursprünglich aus einer Kleinstadt in der Nähe von Bremen und werde daher oft gefragt, wie es mich nach Wolfsburg verschlagen hat und warum ich mich für ein FSJ Kultur entschieden habe.

Ich erfuhr von dieser Möglichkeit, ein solches Jahr zu machen, durch eine Schulfreundin, nachdem ich ihr in der 12. Klasse erzählte, dass ich noch nicht wüsste, wohin es mich nach dem Abitur verschlagen wird. Das Bewerbungsverfahren läuft dann wie folgt ab: Man füllt eine allgemeine Onlinebewerbung auf der Internetseite des FSJ Kultur aus und schickt diese durch Drücken des Absendebuttons an die Trägerorganisation des FSJ, die LKJ Niedersachsen. Diese Abkürzung steht wiederum für ‚Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung‘. Die allgemeine Bewerbung beinhaltet Fragen wie: „Welche Erwartungen haben Sie an das FSJ Kultur?“, „Worin sehen Sie Ihre Stärken beziehungsweise Fähigkeiten?“ oder „Welchen Berufswunsch haben Sie?“. Nach der Bewerbung gibt man an, in welchen Bundesländern man sich vorstellen könnte, ein Jahr zu arbeiten. Ich entschied mich für Bremen und Niedersachsen, da ich vorerst dachte, bei meinen Eltern wohnen bleiben zu können. Nach circa einem Monat erhält man dann eine Liste von Einsatzstellen in den gewählten Bundesländern, die ein FSJ Kultur anbieten. Jede Einsatzstelle stellt sich in einem Absatz kurz vor und gibt an, was der FSJler dort für Aufgaben übernimmt. In jedem gewählten Bundesland darf man sich dann für sechs Einsatzstellen entscheiden und mit einer Priorität von 1-6 angeben, wie gerne man zu welcher Einsatzstelle gehen würde. Die LKJ schickt dann die vorher geschriebene Bewerbung an die gewählten Einsatzstellen. Bewerben sich zu viele Personen auf eine Stelle, wird gelost, welche Bewerbungen davon eingereicht werden. Alles Weitere regeln dann die Einsatzstelle und der Bewerber miteinander. Man wird, wenn alles gut läuft, direkt von den Einsatzstellen per E-Mail oder Telefon zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und führt dieses dann auch vor Ort.

Die Einsatzstellen, die mich aus der Liste sofort ansprachen, lagen nicht in meiner unmittelbaren Umgebung und somit beschloss ich, für ein Jahr von zu Hause auszuziehen. Dass es für mich nach Wolfsburg ging, war also nicht von Anfang an, als ich mich für ein FSJ entschieden habe, geplant. Ich erfuhr von Wolfsburg das erste Mal, als ich in der Einsatzstellenliste von den Historischen Museen Wolfsburg las. An der Beschreibung begeisterte mich sofort die Vielfalt, die sie einem FSJler an Aufgaben versprachen und die allgemein in Form von Veranstaltungen von den Museen angeboten wird. Dadurch, dass es ein Museumsverbund ist und jedes Museum ein anderes Thema behandelt, bekommt man Einblicke in die verschiedensten Inhalte und hat auch die Möglichkeit, vielseitig kreativ zu arbeiten. Nach meinem Vor-Ort-Bewerbungsgespräch war ich noch mehr Feuer und Flamme für diese Einsatzstelle und somit überglücklich, als man sich für mich entschieden hat.

Das bedeutete für mich also: Neue Stadt, neue Menschen, neue Wohnung, neuer Mitbewohner, neue Arbeit, alles neu und alles auf einmal! Neuer Mitbewohner, weil ich in eine von den zwei von der Stadt Wolfsburg zur Verfügung gestellten WGs zog. Mit mir wohnte dort über das Jahr noch ein weiterer FSJ Kulturler, der sein FSJ im Tanzenden Theater Wolfsburg absolvierte. Dass wir von der Stadt diese Möglichkeit bekamen, war ein großes Glück gegenüber FSJlern in anderen Städten. 

Von meiner Arbeit in den Museen war ich vom ersten Tag an begeistert. Die versprochene Aufgabenvielfalt wurde das gesamte Jahr über erfüllt. Auch konnte ich eigene Ideen in Angriff nehmen und mich kreativ „austoben“. Neben der museumspädagogischen Arbeit mit Kinder-, Jugend- und Erwachsenengruppen, konnte ich mich immer auch in anderen Berufen ausprobieren, die in den Museen ausgeübt werden. Ich saß mit Kollegen im Museum in der Aufsicht; durfte Veranstaltungsplakate gestalten; radelte mit Flyern durch die Stadt und sorgte dafür, dass wir in Wolfsburg mit Werbung gut vertreten waren; ich bastelte Requisiten für Veranstaltungen und probierte für Kindergeburtstage, neue Bastelideen aus; ich sorgte für eine gewisse Übersichtlichkeit im Bastelschrank; schrieb Rückblicke und ein Weihnachtsgedicht für die Internetseite; recherchierte zu Veranstaltungsthemen; inventarisierte zwei neue Exponate; schnitt Zeitungsartikel, die das Museum betrafen, aus; schrieb Liederhefte für das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum; half Anrufern bei Fragen am Telefon weiter; spielte im Winter das Schlossgespenst; begleitete Führungen; passte dabei auf, dass niemand Exponate anfasste oder auf Podeste stieg; half beim Auf- und Abbau von Sonderausstellungen; transportierte Materialien oder technische Geräte zwischen den Museen; plante, organisierte und führte gemeinsam mit den Kollegen Workshops, Veranstaltungen, Kindergeburtstage oder Ähnliches durch und erledigte alle kleinen aber sehr wichtigen Aufgaben, die im Museumsalltag so anfallen.

Collage mit Stationen von Annika Walters Zeit im StadtmuseumFoto: Collage mit Stationen von Annika Walters Zeit im Bereich Kultur

Man merkt sofort: Ein langweiliger Bürojob ist das nicht. Besonders gefallen hat mir, dass ich nie einfach so Aufgaben zugeschoben bekommen habe. Ich durfte selber Dinge planen, entwickeln und ausprobieren. Ich konnte jederzeit eine Idee vorstellen und alle Kollegen waren immer bereit, mich irgendwie zu unterstützen. Auch stellte man sich hier sehr toll auf meine persönlichen Fähigkeiten ein. Mir wurden dann Aufgaben ermöglicht, die mit meinen Interessensfeldern übereinstimmten. Dennoch hatte ich auch immer die Möglichkeit, Neues zu lernen und zu erfahren. So entwickelte ich über das Jahr auch viele neue Interessen und Fähigkeiten.

In meiner zweiten Woche begleitete ich zum ersten Mal eine Museums- und Schlossführung. Spätestens ab dann war ich komplett enthusiastisch für die Schloss- und Stadtgeschichte. Ich bekam von meiner Kollegin ein Buch geschenkt, das den Ausstellungsinhalt des Stadtmuseums zusammenfasst. Mit diesem Buch und allen weiteren Quellen, die ich irgendwo aufschnappte, begann ich, mich durch die Geschichte der Stadt zu arbeiten. Mit meinem mir angeeignetem Wissen entwickelte ich eigenständig eine Führung durch das Stadtmuseum und konnte diese am 26. März zum ersten Mal vortragen. Während dessen war bei meiner FSJ-Ansprechpartnerin die Idee geboren, eine akustische Führung zu entwickeln. Also eine Führung durch das Museum mit Geräuscheinspielungen, die das Gesagte unterstützen sollen. Sie
vertraute mir diese Idee an und ich nutzte die Chance um ein eigenständiges Projekt daraus zu konzipieren. In insgesamt zwei Monaten schrieb ich einen neuen Führungsablauf, sammelte Geräusche und bearbeitete diese so, wie ich mir das vorstellte. Dabei unterstützten mich meine Kollegen, wo sie konnten. Wenn ich mal keine Geräuschidee für ein Exponat hatte oder nicht wusste, wo ich ein anderes auftreiben kann, erhielt ich immer tolle Hilfestellungen. Die Premiere meiner Führung „Wolfsburg mit den Ohren sehen“ fand dann am 15. Juli im Rahmen des ersten Schlossfestes am Schloss Wolfsburg statt. Ich referierte und meine Ansprechpartnerin spielte die Geräusche ein. Diese neuartige Führung kam bei den rund 40 Gästen sehr gut an und ich erhielt im Anschluss viele positive Rückmeldungen, die
mich sehr stolz auf mein Projekt werden ließen.

Collage mit Stationen von Annika Walters Zeit im StadtmuseumFoto: Collage mit Stationen von Annika Walters Zeit im Bereich Kultur

Ich habe in diesem Jahr so viele tolle Menschen kennengelernt, so viele neue Eindrücke gewonnen und so viel gelernt. Mein FSJ Kultur werde ich in den besten Erinnerungen behalten und meine Einsatzstelle sehr vermissen. Dennoch freue ich mich auf alles Neue, das jetzt auf mich zukommt. Bei dem ganzen „alles neu und alles auf einmal“ zum zweiten Mal hoffe i Jahr begegnet bin, die ich kennenlernen durfte, von denen ich lernen konnte und die mir dieses Jahr so sehr versüßt haben, dass ich mich gerne an sie zurück erinnere. 

Vielen Dank für diese Erfahrungen!

Annika Walter
(FSJ Kultur 2014/15)


Verabschiedung von Annika Walter (Foto: Meike Felizitas Netzbandt)Foto: Verabschiedung von Annika Walter (Meike Felizitas Netzbandt)