Gemeinsame Hilfe für unbegleitete minderjähriger Flüchtlinge in Wolfsburg

Stadt und freie Träger der Jugendhilfe informieren über neues Gesetz ab 1. November

Kinder und Jugendliche, die aus ihren Herkunftsländern allein nach Deutschland kommen, gehören zu den schutzbedürftigsten Personengruppen unter den Flüchtenden. Diese unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge stellen circa fünf bis zehn Prozent der Flüchtlingskinder. Ende 2014 wurden nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bundesweit rund 18.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von der Kinder- und Jugendhilfe betreut - angesichts der Prognosen zu internationalen Entwicklungen und Fluchtbewegungen muss künftig von weiteren Steigerungen ausgegangen werden.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben nach dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen ein Recht darauf, dem Kindeswohl entsprechend untergebracht, versorgt und betreut zu werden. Das Land Niedersachsen und die Kommunen stellen sicher, dass die nach Niedersachsen kommenden unbegleiteten Kinder und Jugendlichen eine ihren besonderen Schutzbedürfnissen und Bedarfslagen entsprechende Aufnahme finden. 

Bisher hat die Stadt Wolfsburg im Rahmen der Zuständigkeit unbegleitete Minderjährige in Obhut genommen, die von sich aus nach Wolfsburg gekommen sind, allein oder mit anderen Flüchtlingen. Bis Oktober 2015 befanden sich insgesamt 20 junge Menschen im Alter von 16 bis 18 Jahren in der Obhut des Jugendamtes und sozialpädagogischer Einrichtungen.

Neues Gesetz ab 1. November: Was ändert sich?

Nach derzeitiger Rechtslage ist das Jugendamt am Ort der Feststellung der Einreise verpflichtet, die unbegleiteten Flüchtlinge in Obhut zu nehmen. Da deutschlandweit einige Kommunen, insbesondere Großstädte an Einreiseknotenpunkten wie Hamburg und Berlin massiv überlastet sind und die Erfüllung von Qualitätskriterien der

Kinder- und Jugendhilfe häufig nicht mehr ausreichend sicherstellen können, tritt ab kommenden Sonntag, 1. November, ein neues Gesetz in Kraft, mit dem die Unterbringung, Versorgung und Betreuung Minderjähriger, die ohne ihre Eltern aus ihren Heimatländern geflüchtet sind oder auf der Flucht von ihren Eltern getrennt worden sind, verbessert werden soll.

Zeitgleich gilt auch eine Verwaltungsvereinbarung der Niedersächsischen Landesregierung, die das Sozialministerium in Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden erarbeitet hat. Diese Vereinbarung regelt die Verteilung der unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlinge auf die Kommunen und deren Jugendämter. Hierbei gilt die Quote des sogenannten Königsteiner Schlüssels, der die Verteilung nach Einwohnerzahl und Steueraufkommen der Kommunen festlegt.

Nach dieser Zuweisungsquote erwartet die Stadt Wolfsburg für die Monate November und Dezember fast 50 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Quote für 2016 ist noch nicht bekannt, das Land Niedersachsen rechnet mit insgesamt rund 3000 zu betreuenden Fällen. Das Bundesverwaltungsamt weist Niedersachsen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zur Aufnahme zu. Das Landesjugendamt muss dann die Kinder und Jugendlichen innerhalb von zwei Werktagen einem Jugendamt in Niedersachsen zuweisen.

Wie setzt die Stadt Wolfsburg das neue Gesetz um?

Unter Federführung der Stadt Wolfsburg arbeiten in enger Kooperation das Diakonische Werk Wolfsburg, das Christliche Jugenddorfwerk CJD und „Kompetenz für Menschen“ als freie Träger der Jugendhilfe an Unterbringungs- und Betreuungsmöglichkeiten für diese Jugendlichen. So stehen in diesem Jahr 24 Plätze im CJD am Walter-Flex-Weg zur Verfügung, sowie weitere 12 Plätze auf dem Gelände des Diakonischen Werkes. Dieses Angebot wird ergänzt durch betreute Wohnangebote im Stadtgebiet Wolfsburg mit Unterstützung von „Kompetenz für Menschen“.

Zusätzlich plant die Stadt Wolfsburg im ersten Stock des Jugendhauses Ass in Vorsfelde in Trägerschaft des Diakonischen Werkes eine Inobhutnahme-Gruppe einzurichten. Das wird in enger Abstimmung mit dem Landesjugendamt umgesetzt. Die Arbeit des Jugendtreffs bleibt davon unberührt, es werden sich sicher viele Möglichkeiten der Begegnung und gemeinsamen Freizeitgestaltung ergeben.

Die sozialpädagogischen Jugendeinrichtungen werden 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche von Fachpersonal begleitet und betreut. Die jungen Menschen erhalten durch das Jugendamt einen Amtsvormund, um die rechtliche Vertretung sicherzustellen. Hierbei geht es sowohl um die Gesundheitsfürsorge, die schulische oder berufliche Bildung, die Unterstützung bei etwaiger Familienzusammenführung und der Unterstützung bei allen Schritten im Asylverfahren. Angesichts der zu erwartenden Zahlen in 2016 werden voraussichtlich weitere sozialpädagogische Jugendeinrichtungen und Wohngruppen im Stadtgebiet eingerichtet werden.

Es besteht aber auch die Möglichkeit diese Jugendlichen in geeignete Pflegefamilien zu vermitteln, dazu können sich Interessierte telefonisch an Dörthe Seidenthal-Klemt (05363) 81303623 wenden und eine erste Beratung und Informationen erhalten. Für die Übernahme von ehrenamtlichen Vormundschaften erarbeitet das Jugendamt derzeit ein Melde- und Auswahlverfahren.

Pressekontakt: Kommunikation, Andreas Carl, (05361) 28-2301

Direktlink Termine
Direktlink Newsroom
Direktlink Bürgerservice