• de
search

Wolfsburg auf dem Weg zur Demokratie

Im Rahmen des 75-jährigen Gründungsjubiläums der Stadt Wolfsburg am 1. Juli 2013 hat das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) den Forschungsschwerpunkt „Stadtgeschichte nach 1945: Wolfsburg auf dem Weg zur Demokratie“ eingerichtet. In der Projektarbeit wird anhand der einschlägigen Quellen die kommunalpolitische Geschichte nach 1945 erschlossen, interpretiert und aufgearbeitet.

Dabei stehen die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Transformationsprozesse der 1950er und 1960er Jahre im Zentrum des Forschungsvorhabens. Die Ergebnisse des Projekts sind sowohl für das lokale Bewusstsein als auch für die Entwicklung der Bundesrepublik bedeutsam, da am exemplarischen Fall der einstigen NS-Musterstadt Wolfsburg die Bedingungen, Mechanismen und Konflikte der Entwicklung der bundesdeutschen Nachkriegsdemokratie aufgezeigt werden können. 


25-Jahre-Wolfsburg-Feier, 1963: Der Bürgertransformator - Willi Luther
25-Jahre-Wolfsburg-Feier, 1963: Der Bürgertransformator (Foto: Willi Luther)

Im Projekt, dessen Untersuchungszeitraum mit dem Kriegsende 1945 einsetzt und im Jahr 1972 mit der Großstadtwerdung Wolfsburgs endet, werden zwei zentrale Ziele verfolgt: Zum einen soll eine moderne Nachkriegsgeschichte der Stadt entstehen, die die bisherigen Forschungsergebnisse zusammenfasst und zugleich bislang offengebliebene Aspekte der Stadtgeschichte aufarbeitet. Dazu zählen frühe Versuche der Traditionsstiftung ebenso wie der Aufbau einer demokratischen Stadtkultur, die Entstehung der lokalen Presse oder die Rolle Wolfsburgs als Zonengrenz- und Einwanderungsstadt. Zum anderen soll die Entwicklung der Stadt in einen größeren Kontext eingebettet werden. Denn Wolfsburg ist oft als Soziallabor der alten Bundesrepublik bezeichnet worden; viele allgemeine Entwicklungen zeigen sich in dieser Stadt deutlicher, als anderswo.

Bau des Kulturzentrums, Juni 1961 (Foto: Rosemarie Rohde)
Bau des Kulturzentrums, Juni 1961 (Foto: Rosemarie Rohde)

Dazu zählt beispielsweise die "Integrationsmaschine Wohlstand". Sie schuf für die Durchsetzung der Demokratie derart günstige Rahmenbedingungen, dass sie auch eine rasche gesellschaftliche und politische Integration möglich machte. Dazu gehören aber auch die verspätete Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus, Fragen der Kontinuität in verschiedenen politischen Biografien, der starke Einfluss der Vertriebenen und ihrer Verbände auf die kommunale Politik oder die frühen Tendenzen zur Großen Koalition, die in Wolfsburg schon bald die Grenzen der politischen Lager verschwimmen ließen. Wolfsburg war in dieser Zeit – und hier zeigt sich wohl am stärksten eine Parallele zur Entwicklung der alten Bundesrepublik – ein Gemeinwesen auf der immerwährenden Suche nach sich selbst.

Speziallabor oder Sonderfall - Plakat zur Konferenz am 28. + 29.11.2013 im Phaeno
Speziallabor oder Sonderfall - Plakat zur Konferenz am 28. + 29.11.2013 im Phaeno

Das IZS hat im Kontext des Forschungsprojektes im November des Jahres 2013 eine internationale Tagung zum Thema „,Soziallabor‘ oder ,Sonderfall‘? Die Stadt Wolfsburg in der deutschen Nachkriegsgeschichte“ veranstaltet sowie in Kooperation mit der Historischen Kommunikation der Volkswagen Aktiengesellschaft bereits zwei Workshops durchgeführt. Während der Veranstaltungen wurden die ersten Ergebnisse der Untersuchungen mit einem interessierten Fachpublikum diskutiert. Zudem wurden die Wolfsburger Bürgerinnen und Bürger bereits im Vorfeld in das Projekt eingebunden. So waren diese im Sinne einer breiten Bürgerbeteiligung auf zwei stadtgeschichtlichen Tagen dazu aufgerufen, persönliche Erinnerungsstücke – ob Briefe, Dokumente, Fotografien oder Filmmaterialien – aus den 1950er und 1960er Jahren der Forschung zugänglich zu machen und auf diese Weise an der Dokumentation der Wolfsburger Nachkriegsgeschichte mitzuwirken. Die Publikation eines umfangreich bebilderten Buches zur Stadtgeschichte ist in Arbeit.


Zurück zur Startseite des IZS