Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg

Interdisziplinärer Realisierungswettbewerb

Der Planungswettbewerb für den Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg ist entschieden. Die Jury vergibt einen 1. Preis an Hoskins Architects mit guba+sgard Landschaftsarchitekten und Ralph Appelbaum aus Berlin.

Erster Preis Wettbewerb Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager LaagbergFoto: © büro luchterhandt

Der Gewinnerentwurf für den im Februar europaweit ausgelobten interdisziplinären Realisierungswettbewerb steht fest. Am 24.9.2020 tagte die 11-köpfige Jury unter Vorsitz der Berliner Architektin Prof. Hilde Lèon und vergab jeweils einen ersten, zweiten und dritten Preis sowie zwei Anerkennungen.

Im November 2019 hatte der Rat der Stadt Wolfsburg die Verwaltung beauftragt einen Planungswettbewerb für einen Gedenk- und Lernort für das KZ-Außenlager am Laagberg  für Teams aus Architekt*innen und Landschaftsarchitekt*innen zusammen mit Ausstellungsgestalter*innen durchzuführen. Aus ganz Europa bewarben sich 42 Teams um die Teilnahme am Wettbewerb, 15  wurden schließlich im April ausgewählt und entwickelten von da an Ideen für einen überregional bedeutsamen Ort demokratischer Bildung am Laagberg. Die Koordination des Verfahrens erfolgte durch das Büro Luchterhandt aus Hamburg.

Dem Planungswettbewerb vorangegangen war im Frühjahr 2017 die Entdeckung der Fundamente der ehemaligen Gefangenbaracke 4 des KZ-Außenlagers Neuengamme auf dem Laagberg. Daraufhin beauftragte der Rat der Stadt das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation mit der Konzeptionierung eines Gedenk- und Lernortes. Es folgte ein breit angelegter Informations- und Beteiligungsprozess, der Grundlage für die Aufgabenstellung im Planungswettbewerb war. 

Der neuzugestaltende Ort richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen und Generationen. Interessierte Bürger*innen hatten vom 9. bis zum 12. September 2020 die Gelegenheit sich mit den anonym eingereichten 15 Entwürfen  in einer nichtöffentlichen Ausstellung zu befassen und diese zu kommentieren. Etwa 100 Bürger*innen haben mehr als 300 Kommentarzettel zu den einzelnen Entwürfen verfasst und damit den Beteiligungsprozess fortgeführt. Die Jury hatte somit die Möglichkeit sich bei der Entscheidungsfindung mit diesen Bürgerkommentaren auseinanderzusetzen.

Bildergalerie

Hoskins Architects Ltd. (Berlin) mit guba+sgard Landschaftsarchitekten (Berlin) und Ralph Appelbaum Associates Inc. (Berlin)

Hoskins Architects Ltd. (Berlin) mit guba+sgard Landschaftsarchitekten (Berlin) und Ralph Appelbaum Associates Inc. (Berlin) - 1. Preis

Beurteilung des Preisgerichts

Architektur
Der in zwei Teile gegliederte Baukörper bildet eine Rückwand zum benachbarten Nahversorger und öffnet sich zum Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers hin. Dabei überzeugt das vorgeschlagene Regal, das den Besucher*innen die Möglichkeit eröffnet, eine interaktive Auseinandersetzung mit dem ehemaligen KZ-Außenlager vorzunehmen. Die Aufbewahrung der translozierten Fundamentreste ist gut in die Grundkonzeption integriert.

Durch den Holzsteg mit den Lernstationen gelingt es gut, die Ausmaße des ehemaligen KZ-Außenlagers wiederzugeben und dadurch die Dimension aufzuzeigen.

Die Fensteröffnung des Seminarraums nimmt die Form des Barackengiebels der ehemaligen Gefangenenbaracke 1 auf, und die Grundmaße des Seminarraums bilden einen Teil des Grundrisses der Baracke ab. Dabei überzeugt insbesondere das Fenster durch die Blickbeziehungen in das ehemalige KZ-Außenlager. Die Nutzbarkeit des geteilten Seminarraumes, der den Grundriss der ehemaligen Gefangenenbracke widerspiegeln soll, wird aufgrund der geringen Raumbreite in Frage gestellt.

Die Arbeit zeigt ihre große Stärke in der Grundkonzeption der freien Zugänglichkeit der Ausstellung im Außenraum und der im Inneren des Gebäudes angesiedelten Seminarräume.

Freiraum

Die Stärke dieser Arbeit liegt in der qualitätsvollen Verknüpfung von Freiflächengestaltung und Ausstellungsbauwerk.  Die Hauptinszenierung der freiräumlichen Ausstellungs- und Lerninhalte verläuft geschickt und behutsam entlang einer flexiblen Steganlage im Bereich der historischen Waldkante. So kann auf den wertvollen Eichen-Buchenbestand besonders gut Rücksicht genommen werden.

Über dem „schwebenden“ Waldweg begibt man sich auf eine kontemplative Reise zur Geschichte des Ortes und erfasst wie beiläufig die Dimensionen des ehemaligen KZ-Außenlagers und der Baracken. Der Verzicht auf kleinteilige Interventionen innerhalb des heterogenen städtebaulichen Umfeldes wird positiv bewertet. Alle Lernstationen stehen in einem unmittelbaren räumlichen Zusammenhang und verlieren sich nicht in den bestehenden Quartiersstrukturen.

Die Arbeit stellt einen sehr guten Beitrag zum Umgang mit Gedenkorten dar, der mit wenigen aber starken Mitteln die wichtigen Themen zu transportieren vermag.

Ausstellungsgestaltung

Überzeugt hat die Jury, dass große Teile der Ausstellung im Außenbereich liegen und sind so jederzeit zugänglich sind. Dies vermittelt eine gewisse Offenheit, birgt aber auch Nachteile bei schlechtem Wetter.

Einige der Innenräume sind Durchgangsräume und für Ausstellungsinhalte zu klein gehalten. In dem für die Frottagen vorgesehenen Raum fehlt leider die Möglichkeit, die künstlerische Arbeit mit einem gewissen Betrachtungsabstand auf sich wirken zu lassen.
Die zu geringen Ausstellungsflächen erlauben zudem nur wenig Flexibilität in der Raumgestaltung.
Der Bereich der Erinnerung mit den Häftlingsportraits ist sehr partizipativ. Diese einladende Geste ist ein Gewinn für die Besucher*innen.

Kusus + Kusus Architekten BDA (Berlin) mit Albert Armbruster Büro für Landschaftsarchitektur (Berlin) und Büro für Gestaltung Wangler & Abele (München)

Kusus + Kusus Architekten BDA (Berlin) mit Albert Armbruster Büro für Landschaftsarchitektur (Berlin) und Büro für Gestaltung Wangler & Abele (München) - 2. Preis

Beurteilung des Preisgerichts

Architektur
Der Entwurf reagiert städtebaulich sehr angemessen auf die vorhandene Lagerstruktur, indem das ehemalige Gelände nicht besetzt, sondern begrenzt wird. Die Adressbildung ist gelungen und markiert den Ort sowohl im Kontext zum Lager als auch zum Stadtteil. Der Eingang im Süden über das ehemalige Gelände schafft es bereits vor Betreten des Gebäudes mental auf das zu Erwartende vorzubereiten.

Der historische Ort wird durch Intarsien der Grundrisse der Wachtürme und der Baracken sowie Erinnerungssteine entlang des ehemaligen Lagerzauns modern interpretiert und sichtbar gemacht. Somit entsteht sowohl Raum zum Gedenken für die Hinterbliebenen als auch zum Erfahren für die heutige Generation im idealen Gleichklang. Gleichzeitig ermöglicht die Dachterrasse einen optimalen Ausblick auf das ehemalige Lagergelände. Der Glasausschnitt der Terrasse könnte einen stärkeren Bezug zum Außenraum haben. 

Innenräumlich verfügt der Entwurf über eine klare Struktur, die sich nach Norden zum Nahversorger abschottet und zum Lager öffnet. Die Maßstäblichkeit des Gebäudes korrespondiert sowohl mit der angrenzenden Bebauung als auch mit dem, in der Aufgabe gestellten, Raumprogramm. Die innere Organisation des Gebäudes gliedert den Riegel funktional und differenziert zwischen ruhigeren Vermittlungsräumen und öffentlicheren Ausstellungszonen. Sowohl die Vermittlungsräume als auch die Ausstellungszonen stehen im ständigen Bezug zum Außenraum, so dass der historische Bezug immer hergestellt werden kann. 

Die Verfasser haben die Entwurfsaufgabe angemessen und ortsspezifisch gelöst. Insgesamt ist der Entwurf überzeugend und gelungen.

Freiraum

Der Wettbewerbsentwurf arbeitet mit einem quartiersumfassenden freiräumlichen Gesamtkonzept, welches stark durch die Verwendung verschiedener wiederkehrender Materialien geprägt ist.  Die Überlagerung der historischen Grundrisse mit Ortbetonflächen wird als Möglichkeit der Sichtbarmachung gewürdigt. Diese starke flächige Geste ist jedoch im dichten heterogenen Stadtgefüge durch die vielseitigen vorhandenen Störungen nicht mehr ablesbar und stößt im südwestlichen Stadtraum an seine Grenzen. Die große platzartige Tennenfläche auf der Südseite des Ausstellungsgebäudes mit Blick auf die Tankstelle, erscheint zu offen und unstrukturiert und bietet wenig Aufenthaltsqualität. Der geschichtliche Spurenverlauf über ein Wegenetz zu den Themen Erinnerungen und Utopien stellt einen interessanten gestalterischen Ansatz dar. Der Weg der Erinnerung verläuft jedoch parallel zur Breslauer Straße und nicht entlang der historischen Waldkante und findet dadurch eine falsche inhaltliche Verortung. Zudem wurde die Lage des Baukörpers zu dicht an der nördlichen Planungsgrenze gewählt, so dass sich eine ausreichend dimensionierte Ost-West-Wegeverbindung nicht auf die bisher vorgesehene Weise realisieren lässt. 

Die Arbeit zeigt viele gute freiräumliche Grundideen zum Thema Lern- und Gedenkort, im Einzelnen zeigen diese aber Schwächen in ihrer Angemessenheit und bei der Übertragung in die stadträumliche Struktur.

Ausstellungsgestaltung

Die Präsentation der Frottagen mit Blickbezug zum Wald ist sehr gut gelöst.
Das Ausstellungsmobiliar ist wenig originell und innovativ – die Präsentation der Fundamentstücke der ehemaligen Gefangenenbaracke 4 erfolgt z.B. in konventionellen Vitrinen. Insgesamt erfüllt die Ausstellungsgestaltung aber durchaus ihre Zwecke.

ACME (Berlin) mit Kieran Fraser Landscape Design (Wien) und Atelier Schubert (Stuttgart)

ACME (Berlin) mit Kieran Fraser Landscape Design (Wien) und Atelier Schubert (Stuttgart) - 3. Preis

Beurteilung des Preisgerichts

Architektur
Die Arbeit überzeugt die Jury durch ihre klare und konzeptionell schlüssige Grundidee. Sie greift die Maßstäbe der Umgebung in angemessener Weise auf und sorgt zugleich mit ihrer dualistischen Raumkomposition von offenen und geschlossenen Innen- und Außenbereichen für spannende Atmosphären. Sie setzt ein emblematisches Zeichen für die Geschichte des konkreten Ortes und besitzt Strahlkraft bis weit in die Region Wolfsburgs hinaus. 

Der markante Innenhof erzeugt auf der einen Seite Ehrfurcht, Andacht und Betroffenheit, auf der anderen ist er ein Ort des kommunikativen Austausches. Kritsch wird hier die hohe Geschlossenheit als zu abweisend, die überproportionale Dimensionierung als zu pathetisch gesehen. Die Freiraumgestaltung, die sich entlang der Waldkante bis in das Quartier entwickelt, ist konzeptionell stark und gestalterisch gut ausgearbeitet. 

Die Innenräume des Gedenk- und Lernorts sind klar gegliedert. Der Ausstellungsraum wirkt jedoch zu stark auf die Projektionsflächen der Wände ausgerichtet und lässt an der notwendigen Flexibilität für Wanderausstellungen und Veranstaltungen mit Kooperationspartnern zweifeln. 

Die Wirtschaftlichkeit des Entwurfs muss ebenfalls als kritisch betrachtet werden. Dies wäre jedoch durch räumliche Optimierungen ausgleichbar. Ebenso werden die denkmalpflegerischen Anforderungen des Ortes unzureichend beachtet und von den Experten kritisiert. 

Insgesamt handelt es sich um eine starke Arbeit, die sich selbstbewusst positioniert, in Teilaspekten allerdings Fragen nach der Angemessenheit aufwirft. Dennoch stellt der Entwurf einen innovativen und gestalterisch gelungenen Beitrag dar.

Freiraum
Die starke Verknüpfung von Gedenkstätte und Freiraumkonzept wird äußerst positiv bewertet. Die Inszenierung der historischen Waldkante mit Ausstellungsspur und digitalen Informationsspots überzeugt und ermöglich geschickt einen gestalterischen Rückzug aus dem baulich überformten heterogenen Stadtraum. Der Waldweg in seiner baulichen Starrheit lässt jedoch das Entfernen einer großen Anzahl von Bäumen und einen starken Eingriff in den sensiblen Wurzelraum des wertvollen Buchenbaumbestandes befürchten. Die dreidimensionalen Stahlwände zur Nachzeichnung der Barackenkörper erscheinen etwas zu kräftig und bedürfen großer Fundamente.  
Die durchdachte Wegeverbindung zwischen Quartier und Wald stellt einen guten Beitrag zur künftigen Vernetzung des Stadtraums mit Lernort dar. Insgesamt ein interessantes und gutes Konzept, welches im Umgang mit dem wertvollen Gehölzbestand jedoch Schwächen aufzeigt.

Ausstellungsgestaltung

Die Ausstellungsinhalte werden mit moderner Ausstellungsarchitektur sinnlich und atmosphärisch vermittelt. Die virtuelle, begehbare 3D-Rekonstruktion des Lagers vermittelt Informationen auf schnell erfassbare Weise, hat einen gewissen Erlebniswert und spricht deshalb wahrscheinlich vor allem die Jugend an.

TRU Architekten Part mbB (Berlin) mit capattistaubach urbane landschaften Landschaftsarchitekt und Architekt Part mbB (Berlin), chezweitz GmbH (Berlin) und Die Exponauten. Ausstellung et cetera (Berlin)

TRU Architekten Part mbB (Berlin) mit capattistaubach urbane landschaften Landschaftsarchitekt und Architekt Part mbB (Berlin), chezweitz GmbH (Berlin) und Die Exponauten. Ausstellung et cetera (Berlin)

Beurteilung des Preisgerichts

Architektur
In dem heterogenen städtischen Umfeld erscheinen die Gedenkstätte und der Lernort widersprüchlicher Natur, nämlich zum einen extrem zurückhaltend in die Erde versenkt und über zwei Atrien belichtet, zum anderen dominant präsent durch das weithin leuchtende Billboard aus der Alltagswelt. Dieses Spannungsfeld war auch bei der Diskussion des Preisgerichts zwischen Ablehnung und Zustimmung spürbar.

Die ganze Arbeit strahlt einen wohltuend eleganten Minimalismus mit einer starken Kraft der Proportion aus. Auch das direkte Umfeld der Gedenkstätte könnte man als lapidar bezeichnen, wenn man nicht merken würde, dass genau das die Intention des Verfassers ist: alltäglich und erhaben – zurückhalten und dominant. Ob das für die gestellte Aufgabe die richtige Antwort ist, wurde im Preisgericht stark diskutiert. 

Die gleiche Kontroverse bezieht sich auch auf die Zeichen im direkten Umfeld und im größeren städtischen Kontext. Nur die Außenränder der Fundorte des ehemaligen KZ-Außenlagers zu umfahren, erscheint zu wenig. Bewusst lassen die Verfasser hier große Leerstellen, genauso wie der Entwurf eher einer Ideenskizze gleicht, die vieles offenhält, wie beispielsweise die Materialität des Gebäudes. Die Konzentration liegt auf der grundsätzlichen Idee mit einer großen Offenheit zur Umsetzung. 

Darin liegt die Kraft der Arbeit – allerdings auch die Schwäche.

Freiraum

Die Arbeit zeichnet sich durch eine starke Fokussierung auf die skulpturale Ausformulierung eines „Billboards“ aus. Dieses Element überlagert eine mögliche freiräumliche Gesamtkonzeption, die mit einigen Lichtbändern und einer Erdskulptur als szenografischer Rundgang im Quartier zu schwach erscheint. Das besondere Thema der historischen Waldkante wird gänzlich außer Acht gelassen. Insgesamt eine interessante Arbeit, die jedoch die freiräumlichen Potentiale nicht ausschöpft.

Ausstellungsgestaltung

Die Ausstellungsarchitektur im UG basiert auf einer Gitterstruktur, die eine hohe Transparenz und visuelle Leichtigkeit erzeugt. Die originelle und flexible Ausstellungsgestaltung bietet Möglichkeiten für wechselnde Ausstellungsinhalte.
Die räumliche Wirkung der Ausstellung im EG mit einem Archivregal und den Fundamentkisten der Baracke 4 lässt sich nur erahnen. 



Und Mang Architektur (München) mit BEM, Burkhardt Engelmayer Mendel (München), sehen + verstehen, Peter Götz (München), Katja Römer (Kommunikationsdesign), Jonas Bloch (Architektur Visualisierung) und Matthias Beckh, Beckh Büro für Tragwerksplanung


Mang Architektur (München) mit BEM, Burkhardt Engelmayer Mendel (München), sehen + verstehen, Peter Götz (München), Katja Römer (Kommunikationsdesign), Jonas Bloch (Architektur Visualisierung) und Matthias Beckh, Beckh Büro für Tragwerksplanung

Beurteilung des Preisgerichts

Architektur
Die Arbeit bildet in der Breite des ehemaligen Lagers einen klaren Riegel aus, der von seiner Stirnseite im Westen logisch erschlossen wird und an der Ostseite den Blick auf den Wald lenkt. Durch seine aufgeständerte Konstruktion löst sich der Körper zunehmend vom abfallenden Gelände, wodurch im östlichen Bereich die Möglichkeit entsteht, unter ihm hindurch zu gehen. Dies wird geschickt genutzt, um am Ort der Transformator-Fundamente eine Sichtbeziehung mit dem Ausstellungsraum herzustellen und die Nordseite mit dem Außenregal für die geborgenen Fundamente der Baracke 4 in den Ausstellungsparcours im Freien zu integrieren.

Die Stärke des Entwurfs liegt in seiner Selbstverständlichkeit der eingesetzten Mittel: eine leichte, eingeschossige Konstruktion aus Holzrahmen lässt über die ganze Länge einen breiten Mittelraum frei, der funktional und thematisch in mehrere Abschnitte gegliedert werden kann. Beidseits ist dem Raum eine dienende Schicht angegliedert, in der die Nebenfunktionen sinnvoll untergebracht sind. 

An der Stelle der ehemaligen Baracke 1 ist ein Fenster in deren Kontur eingesetzt, welches den Blick auf den ehemaligen Lagerbereich freigibt. Das Motiv der Kontur findet sich zur Markierung der anderen Baracken mehrfach wieder und stellt einen einfach verständlichen Bezug her.

Insgesamt überzeugt die Arbeit durch die klare Setzung des Bauvolumens, die große Funktionalität ihrer inneren Gliederung sowie die Angemessenheit der baukonstruktiven Gestalt. Gleichzeitig erscheint der Baukörper in seiner Form auch sehr starr und ist deswegen nicht flexibel hinsichtlich möglicher Veränderungen.

Als großer Mangel wird daher die Überschreitung der Fläche um rund 30% beurteilt, wodurch auch die Baukosten proportional zu hoch liegen und das Projekt in der eingereichten Form nicht realisierbar erscheint.

Freiraum

Das Freiflächenkonzept zeichnet sich durch eine sehr zurückhaltende Gestaltung aus. Kleine aber fokussierte Interventionen erwecken Aufmerksamkeit, lassen jedoch durch ihre sehr dezente Ausformulierung befürchten, im heterogenen Stadtgefüge unterzugehen. So beschreiben die Verfasser, dass „geführte Rundgänge“ am ergiebigsten erscheinen, da sie zu Recht ihrem Konzept das gewünschte individuelle und beiläufige Aneignen der Lernorte nicht zutrauen. 

Die bedeutsame historische Waldkante wird als mögliches Freiraumthema nicht aufgegriffen.

Der grundsätzlich gute gestalterische Ansatz mit interessanten Ideen bedarf einer 
deutlich prägnanteren Ausformulierung, um als tragendes Gesamtkonzept zu bestehen.

Ausstellungsgestaltung
Ein gelungenes Ensemble stellt der Dreiklang aus Gedenkwand vis-à-vis der großen Fensterfront in Form des Umrisses der ehemaligen Gefangenenbaracke 1 mit dem dazwischenstehenden Modell des ehemaligen KZ-Außenlagers dar.
Die Ausstellungsarchitektur besteht überwiegend aus Lesepulten und erinnert an Schultische. Die Inszenierung der Inhalte ist dadurch wenig originell. Die Ausstellung wirkt didaktisch und damit nur wenig einladend, sich mit den Inhalten zu beschäftigen.
Ein positiver Aspekt der leichten Möblierung ist die Möglichkeit einer flexiblen Nutzung des Ausstellungsaumes, z.B. den schnellen Umbau für Wechselausstellungen. 

Hier sehen Sie alle weiteren Arbeiten die im Rahmen des Planungswettbewerbs eingereicht wurden:

 AFF Architekten (Berlin) mit POLA Landschaftsarchitekten (Berlin) und Studio Neue Museen (Berlin) 
  AFF Architekten (Berlin) 
mit POLA Landschaftsarchitekten (Berlin) 
und Studio Neue Museen (Berlin)
     
Reinhard Angelis Planung Architektur Gestaltung (Köln) mit Planergruppe GmbH Oberhausen (Essen) und res d (Köln)
  Reinhard Angelis Planung Architektur Gestaltung (Köln)
mit Planergruppe GmbH Oberhausen (Essen)
und res d (Köln)
     
 BHBVT Gesellschaft von Architekten mbH (Berlin) mit relais Landschaftsarchitekten Heck Mommsen PartGmbB (Berlin) und KOCMOC.NET GmbH (Leipzig)   BHBVT Gesellschaft von Architekten mbH (Berlin)
mit relais Landschaftsarchitekten Heck Mommsen PartGmbB (Berlin)
und KOCMOC.NET GmbH (Leipzig)
     
 fischerarchitekten Partnerschaften mbB (Aachen) mit 3PLUS FREIRAUMPLANER, Prof. Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt Norbert Kloeters (Aachen) und Dott. Arch. Silvia Beretta (Aachen)   fischerarchitekten Partnerschaften mbB (Aachen)
mit 3PLUS FREIRAUMPLANER, Prof. Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt
Norbert Kloeters (Aachen) und Dott. Arch. Silvia Beretta (Aachen)
     
 HPP Architekten GmbH (Leipzig) mit MAY Landschaftsarchitekten (Dresden), Anna Dilengite – Freie Architektin (Leipzig) und Prof. Alba D‘Urbano (Leipzig)   HPP Architekten GmbH (Leipzig) mit
MAY Landschaftsarchitekten (Dresden), Anna Dilengite – Freie Architektin
(Leipzig) und Prof. Alba D‘Urbano (Leipzig)
     
 merz merz gmbH & co. Kg (Berlin) mit TOPOTEK 1 (Berlin)   merz merz gmbH & co. Kg (Berlin) mit TOPOTEK 1 (Berlin)
     
 META architektur GmbH (Magdeburg) mit MSB Landschaftsarchitekten (Hamburg) und Sophie Lenglachner (Magdeburg)   META architektur GmbH (Magdeburg) mit MSB Landschaftsarchitekten
(Hamburg) und Sophie Lenglachner (Magdeburg)
     
 netzwerkarchitekten GmbH (Darmstadt) mit foundation 5 + landschaftsarchitekten (Kassel), Sieveking von Borck Büro für Ausstellungsgestaltung (Darmstadt) und TRAGRAUM Ingenieure PartmbB (Nürnberg)   netzwerkarchitekten GmbH (Darmstadt) mit foundation
5 + landschaftsarchitekten (Kassel), Sieveking von Borck Büro
für Ausstellungsgestaltung (Darmstadt) und TRAGRAUM Ingenieure
PartmbB (Nürnberg)
     
 winkelmüller.architekten gmbH (Berlin) mit SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH (Berlin) und Studio IT’S ABOUT (Berlin)   winkelmüller.architekten gmbH (Berlin) mit SINAI Gesellschaft
von Landschaftsarchitekten mbH (Berlin) und Studio IT’S ABOUT (Berlin)
     
 Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH (Dresden) mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten (Dresden) und Studio ALBERT (Dresden)   Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH (Dresden)
mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten (Dresden)
und Studio ALBERT (Dresden)

Hintergrundbild: © büro luchterhandt

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