Hoffmann-von-Fallersleben-Museum

Deutsche Geschichte, Nationalhymne und Kinderlieder

Das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum mit TurmDas Hoffmann-von-Fallersleben-Museum im Fallersleber Fachwerkschloss zeigt in seinen innen sanierten und renovierten Räumen die komplett neu gestaltete Dauerausstellung. Hier können die Besucherinnen und Besucher einerseits wie in einer Zeitreise dem Dichter der deutschen Nationalhymne begegnen und in das für die deutsche Geschichte so wichtige 19. Jahrhundert eintauchen. Dabei lernen sie den kleinen Fallersleber Jungen ebenso kennen wie den romantisch verliebten Studenten oder den oft detektivisch arbeitenden Wissenschaftler. Auf oft überraschende und unterhaltsame Weise können sie mehr über eine Biografie zwischen Freundschaften, ganz persönlichen oder auch hochpolitischen Träumen und seinen Kampf für eine bessere und gerechtere Welt erfahren.

Andererseits wird aus heutiger Perspektive der Blick auf Hoffmanns Werk gerichtet, auf die besondere Qualität seiner bis heute in unserem Kulturschatz lebendigen Gedichte und Lieder. Hier spielt besonders die Musik in allen ihren mit Hoffmann verbundenen Facetten eine Rolle. Denn die Lyrik des Dichters ist auch eine der am meisten vertonten seiner Zeit.

Im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum ist dabei an Gäste aller Altersstufen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen gedacht. Überall laden Sitzgelegenheiten ein zum Stöbern in Blätterbüchern oder, - noch bequemer – um an Hörstationen Hoffmanns Erlebnisse zu genießen. An Multimedia-, Karaoke- und Spielstationen ist die Interaktion der Besucher geradezu gewollt. Für die Kinder, denen Hoffmann rund 500 Gedichte und Lieder widmete, gibt es ein spezielles Angebot, das neugierig werden lässt auf den dem Leben sehr zugewandten, kreativen und kämpferischen Dichter und Liedermacher aus Fallersleben. So präsentiert sich das Museum heute und in Zukunft als ein attraktiver Erlebnisort für die Wolfsburger und Gäste der Stadt.

Logo Registriertes Museum


Das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum trägt das Qualitätssiegel des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen.



Ein Nachmittag rund um Märchen und die Brüder Grimm mit Märchenerzählerin Karin Burbulla zum Zuhören und kreativen Mitmachen

Karin Burbulla

Das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum lud am Sonntag, 14. Januar Kinder ab 4 Jahren und deren Eltern, Großeltern und andere Besucherinnen und Besucher zu einem verzaubernden Nachmittag mit Märchenerzählerin Karin Burbulla ins Schloss Fallersleben ein. Diese tauchte mit ihrem Publikum unter dem Titel „Eins, zwei, drei, vier – ins Märchenland spazieren wir“ tief in die Märchenwelt der Brüder Grimm ein. 

Karin Burbulla vor ZuhörernKarin Burbulla vor Zuhörern


Durch den gekonnten Einsatz von Gestik, Mimik und Stimme ließ die Märchenerzählerin Däumlinge und Riesen, Prinzessinnen und Prinzen, Feen, Wichtel und Zauberer und viele kleine wie große Tiere lebendig werden. Und da ihr Motto Mitmachen lautet, wurden die Zuhörer zugleich zu Akteuren, die zuhörend, sehend, fühlend, schmeckend und riechend, also mit allen Sinnen, das Geschehen erlebten. Um wie die Figuren im Märchen zu handeln, bedurfte es kleiner Requisiten, die gleichfalls Groß und Klein gemeinsam kreativ entstehen ließen – so ein Märchenhaus. 


ZuhörerKinder basteln


Dieses fantasievolle Mitmachprogramm bereitete dem allen Generationen viel Spaß und fand im Rahmen der im Schloss Fallersleben zu sehenden Ausstellung „Hoffmann und die Brüder Grimm. Freundschaft in bewegten Zeiten“ statt. 

  

Mann und Frau vor einem Plakat


Während Jacob und Wilhelm Grimm Volksmärchen sammelten und aufschrieben, forschte Hoffmann von Fallersleben nach Volksweisen und schuf durch eigene Liedtexte bis heute gesungene Volkslieder, zum Beispiel Ein Männlein steht im Walde, Alle Vögel sind schon da, Der Kuckuck und der Esel.


Kinder an einem Bild


So war in der Schau ein Kapitel der Entstehung und Bedeutung der Grimm‘schen Kinder- und Hausmärche“ gewidmet. 


Karin Burbulla liest vorKarin Burbulla vor Zuhörern


Die unmittelbare Wirkung der einzelnen Geschichten aus dieser Sammlung insbesondere auf Kinder fasziniert seit Längerem auch Karin Burbulla. Die Nordsteimkerin ließ sich 2013 und gefördert von der Pastor-Bammel-Stiftung zur professionellen Märchenerzählerin ausbilden und ist seither in Kitas sowie Senioreneinrichtungen oder auch im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum zu Gast. Das Programm im Januar war bereits eine Wiederholung, denn schon im vergangenen Oktober nahm Karin Burbulla ihr großes und kleines Publikum mit auf einen Spaziergang ins Märchenland im Schloss Fallersleben.


Text: Nicole Trnka

Fotos: Hoffmann-von-Fallersleben-Museum



Die Sonderausstellung und auch dieses Programm wurden gefördert von: 

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Eine Freundschaft erzählt in Anekdoten, Briefen, Gedichten und Liedern

Grimm-Plakat

Dass Hoffmann von Fallersleben Germanist wurde, verdankte er Jacob und Wilhelm Grimm. Erstmals traf er als zwanzigjähriger Student die Brüder in Kassel und hier war es Jacob, der ihn fragte: „Liegt Ihnen Ihr Vaterland nicht näher?“. Diese Worte wirkten wie ein Impuls und Hoffmann wurde ein leidenschaftlicher Sprach- und Kulturwissenschaftler – des Deutschen, aber auch auf dem Gebiet des Niederländischen. Beinahe zwanzig Jahre später waren es abermals die Brüder Grimm und die Ereignisse um die „Göttinger Sieben“ (1837), die Hoffmann nachhaltig zu seiner politischen Lyrik inspirierten. Voller Wut schrieb er in Reaktion auf die Entlassung der sieben Professoren und die Ausweisung unter anderem Jacob Grimms aus dem Königreich Hannover durch den Monarchen Ernst August das Gedicht „Knüppel aus dem Sack“. In den vier Strophen nahm Hoffmann deutlich Bezug zum Märchen „Tischlein deck‘ dich“ aus der Grimm’schen Märchensammlung. 


Knüppel aus dem Sack.

Von allen Wünschen in der Welt
Nur einer mir anjetzt gefällt,
Nur: Knüppel aus dem Sack!
Und gäbe Gott mir Wunschesmacht,
Ich dächte nur bei Tag und Nacht,
Nur: Knüppel aus dem Sack!

Dann braucht‘ ich weder Gut noch Gold,
Ich machte mir die Welt schon hold
Mit: Knüppel aus dem Sack!
Ich wär‘ ein Sieger, wär‘ ein Held,
Der erst‘ und beste Mann der Welt
Mit: Knüppel aus dem Sack!

Ich schaffte Freiheit, Recht und Ruh
Und frohes Leben noch dazu
Beim: Knüppel aus dem Sack!
Und wollt‘ ich selbst recht lustig sein,
So ließ‘ ich tanzen Groß und Klein
Beim: Knüppel aus dem Sack!

O Märchen, würdest du doch wahr
Nur einen einz’gen Tag im Jahr,
O Knüppel aus dem Sack!
Ich gäbe drum, ich weiß nicht was,
Und schlüge drein ohn‘ Unterlaß:
Frisch: Knüppel aus dem Sack
Auf’s Lumpenpack!
Auf’s Hundepack!

[Hoffmann von Fallersleben, geschrieben zur Jahreswende 1837/38, erschienen 1940, „Unpolitische Lieder, Theil 1]



Auch gehörte der in Fallersleben geborene Sprachwissenschaftler, Dichter und singende Freiheitskämpfer dem Team um Jacob und Wilhelm Grimm an, das mit dem „Deutschen Wörterbuch“ ein Standardwerk unserer Kultur erarbeitete. 

Das Beispiel dieser Verbindung und deren Entwicklung bis zum Bruch geben zugleich vielfältige Einblicke in den Alltag, die Bildungs- und Kultursituation und das gesellschaftspolitische Leben in jener Epoche

Auf einem Rundgang durch die Ausstellung „Hoffmann und die Brüder Grimm. Freundschaft in bewegten Zeiten“ stellte das Museumsteam am Abend des 18. Januar die Beziehung zwischen diesen wichtigen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Perspektiven unterhaltsam vor. Museumsleiterin Bettina Greffrath und die Mitarbeiterinnen des museumspädagogischen Dienstes – Alina Exner, Christina Dykan Andrés, Elke Schulz, Nicole Trnka sowie Gundula Zahr – präsentierten die Biografien der drei Hauptpersonen im szenischen Spiel, erzählten Anekdoten aus dem Leben dieses Trios und lasen aus dem Briefwechsel vor allem zwischen Jacob Grimm und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben vor. 

Collage mit Bildern der Veranstaltung

Zu hören waren Gedichte aus Hoffmanns Feder, die diese besondere Freundschaft und gesellschaftliche Ereignisse der damaligen Zeit kommentieren. Gänsehaut beim Publikum erzeugten Alina Exner und Elke Schulz mit ihrer Interpretation (Gesang und Akustikgitarre) des Hoffmann-Textes „Maikäfer und Knabe“:



Maikäfer und Knabe

(Maikäfer, summ)

Maikäfer, summ, summ, summ, 
Nun sag mir an, warum? 
Du fliegst am Fenster hin und her 
und willst mein Laub und  Haus nicht mehr! 
Was schwirrst du so? Was schnurrst du so? 
Warum bist du nicht mehr so froh?

„Lieb Kindlein, still, still, still!
Hör, was ich dir sagen will.
Wie sollt ich denn wohl fröhlich sein
In deinem dunklen Haus allein,
So fern von frischer Himmelsluft,
Von lichtem Grün und Laubesduft?“

Maikäfer, summ, summ, summ,
Nun sag mir an, warum?
Hab ich doch Fenster dir gemacht,
Und frisches Laub dir stets gebracht,
Dein Haus in Sonnenschein gestellt,
Und dich geführt in Wald und Feld!

„Lieb Kindlein, still, still, still!
Hör, was ich dir sagen will.
Wenn ich’s mit dir auch so gemacht,
Du würdest weinen Tag und Nacht,
Und wär ich noch so gut dabei,
Du sprächest doch allzeit: Laß mich frei!“

Walter Methler: Kinderlieder und Freundschaften. Hoffmann von Fallersleben, Wetter (Ruhr), S. 144.


An diesem Donnerstag tobte einer der berüchtigten Stürme des vergangenen Herbstes und Winters. Diesmal war es „Friedericke“, die dafür sorgte, dass beispielsweise im Bahnverkehr fast nichts mehr rollte. Auch Wolfsburg war von umgestürzten Bäumen und stillstehenden Zügen betroffen. Doch 25 Besucherinnen und Besucher trotzten diesen Widrigkeiten und waren begeistert von der informativen Tiefe, der Intensität und Vielfalt der Darstellung sowie der Leidenschaft der Museumsmitarbeiterinnen. 

Collage mit Bildern der Veranstaltung



Text: Nicole Trnka

Fotos: Hoffmann-von-Fallersleben-Museum




Die Sonderausstellung und auch dieses Programm wurden gefördert von:
 

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Zeichnung mit Abbild Hoffmann-von-FallerslebenAugust Heinrich Hoffmann - Kurzporträt

Schriftsteller und Literaturforscher, Dichter der Nationalhymne "Deutschlandlied" (1841 auf Helgoland) und hunderter Kinderlieder; geboren: 02.04.1798 in Fallersleben (heute Ortsteil von Wolfsburg); gestorben: 19.01.1874 Schloss Corvey (Höxter). 

Lesen Sie hier nähere Informationen über Hoffmann von Fallersleben

Wolfsburgs spannende Geschichte(n) entdecken - Die Historischen Museen Wolfsburgs als außerschulische Lern- und Erlebnisorte.

Nähere Informationen lesen Sie in unserer Brochüre (*PDF - öffnet sich in einem neuen Fenster)

Im Hoffmann-Museum wurden Schülerinnen zu „Papierrestauratorinnen“

Schloss FallerslebenDas Ratsgymnasium Wolfsburg führt im Rahmen seiner Projektwoche vor den Sommerferien traditionell einen Kurs in den Historischen Museen durch. In diesem Jahr besuchten elf Schülerinnen der sechsten bis zehnten Klassen und ihre Lehrerinnen Christina Dykan Andrés und Christina Klose das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum. Hier erfuhren sie in Theorie und Praxis, wie Hoffmann von Fallersleben im 19. Jahrhundert mit verschiedenen Schreibmaterialien arbeitete.

Der Professor für deutsche Sprache und Literatur forschte in Bibliotheken, um mittelalterliche Handschriften aufzustöbern. Viele ließen sich zusammengeklebt in Buchdeckeln finden. Hoffmann und seine Kollegen lösten sie von den Einbänden, machten mittels chemischer Substanzen die verblichenen Schriften wieder sichtbar, schrieben den Wortlaut ab und veröffentlichten ihre Funde.

Eine Frau restauriert ein BuchDavon erzählt auch die Ausstellung zum Leben und Werk des Dichters, Germanisten und singenden Freiheitskämpfers im Schloss Fallersleben. Nach einem Museumsrundgang lernten Andrea, Carolin, Fabienne, Gina, Josy, Mariana, Olivia, Raquel, Stella und Véronique, wie Hoffmann handwerklich vorging. Das demonstrierte ihnen Papierrestauratorin Viola Meradi.

Hoffmann von Fallersleben Eine Frau zeigt Schülern altes Papier Stapel blauer Bücher an einer Wand

Die Lübeckerin mit Wolfsburg-Heiligendorfer Wurzeln ist seit dreißig Jahren leidenschaftlich gern in ihrem Beruf tätig. Welche unterschiedlichen Herausforderungen das Restaurieren der Beschreibstoffe Papyrus, Pergament oder Papier bedeuten, führte sie an einzelnen Proben vor.

Diese durften die Jugendlichen nicht nur anfassen, sondern selbst mit typischen Werkzeugen wie Pinzette, Skalpell, Falzbein, speziellen Scheren und Radierern an Originalen aus dem 17. Jahrhundert wirken: Vorsichtig Schmutz entfernen, Verklebungen lösen, Risse beheben und sogar Fehlstellen im Papier ergänzen. Dass diese Tätigkeiten Fingerspitzengefühl und sehr viel Geduld beanspruchen, war eine wichtige Erkenntnis für die „Lehrlinge auf Zeit“.

Schüler beobachten eine Frau beim Restaurieren eines Buchs Werkzeug zum Restaurieren alter Bücher Ein Blatt eines alten Buches wird restauriert

So viel Praxis kam gut an: „Voll schön!“, fand Tanja Luise die Projektwoche und insbesondere die zwei Tage mit Viola Meradi. Stella, Marina, Véronique und Olivia freuten sich über die praktischen Übungen. Die Zehntklässlerin Carolin faszinierte, dass sie die verschiedenen Dokumente in die Hand nehmen konnten. 

Der Workshop von Viola Meradi war Bestandteil eines fünftägigen Programms, in dem gleich zu Beginn Papier geschöpft und dieses mit einer Tinktur tintenfest präpariert wurde. Auch probierten sich die Gymnasiastinnen in altdeutschen Handschriften aus. Dabei erwies sich das Schreiben mit der Gänsefeder wie zu Hoffmanns Lebzeiten als schwierig und unerwartet laut. Deutlich leichter schrieb es sich mit Stahlfeder und Federhalter. Auch das Drucken wurde praktiziert. So gestalteten die Schülerinnen Grußkarten mit verschiedenen Motiv-Stempeln und Druckvorlagen des bekannten Hoffmann’schen Kinderliedes Alle Vögel sind schon da und der deutschen Nationalhymne. 

Zum Abschluss präsentierten die Teilnehmerinnen ihren Eltern die entstandenen Werke und erklärten anschaulich die einzelnen Arbeitsschritte. Für einige steht bereits jetzt fest, 2017 wieder an der Projektwoche des Ratsgymnasiums im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum teilzunehmen. Dieses schöne Feedback freut sowohl die verantwortlichen Lehrerinnen und das Museumsteam als auch die Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft, die durch eine Förderung den Papierworkshop unterstützte.

 

Text: Nicole Trnka

Fotos: Hoffmann-von-Fallersleben-Museum

Die Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft ist Forschungsstelle und außerschulischer Lernort 

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