Die Kriegerdenkmäler in Wolfsburg

In dieser Rubrik wollen wir Ihnen die Krieger- und Ehrenmale in den Wolfsburger Stadt- und Ortsteilen vorstellen. Erfahren Sie mehr über Hintergründe und Geschichte, sehen Sie Bilder, Grafiken, Pläne, und lesen Sie historische Dokumente.

Kriegerdenkmale, Ehren- und Mahnmale in Wolfsburg

Sozial- und gesellschaftsgeschichtliche Phänomene im Spiegel der zeitgenössischen Gedenkkultur

Maik Ullmann & Alexander Kraus

Kriege haben neben den vielen Zerstörungen und Toten, die sie hinterlassen, auch ein langes erinnerungskulturelles Nachleben. Schon wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg etwa, an sich bereits in den letzten Kriegsmonaten, versuchte die deutsche Gesellschaft, dem verlorenen Krieg, dem Kämpfen, den Entbehrungen und dem Massensterben einen Sinn zu geben – und damit diesen Ereignissen eine neue Bedeutung zu verleihen. Häufig genug instrumentalisierten die verschiedenen Akteursgruppen wie etwa die Kriegsveteranen das sinnlose Sterben der Soldaten, um Rache oder „Treue um Treue“ zu schwören. Diese Art der Kriegserinnerung lässt sich für fast alle Kriegerdenkmale, Ehren- und Mahnmale aus unterschiedlichen Zeiten feststellen. Viele solcher steinernen Zeugen sind im heutigen Stadtbild fest verankert, doch gilt für die meisten das Bonmot des österreichischen Schriftstellers Robert Musil, wonach „das auffallendste an Denkmälern ist, daß man sie nicht bemerkt“.[1] Damit thematisierte der Autor schon vor etwa 100 Jahren den fast unlösbaren Widerspruch dieser Erinnerungsanstrengungen: Sollen Denkmale eigentlich ein Erinnern gewährleisten, zeigt sich anhand ihrer häufig schon bald das Vergessen.[2]
Als gesellschaftlicher Ausdruck einer in Stein gemeißelten Umgangsweise mit den Kriegsopfern sind Kriegerdenkmale sichtbarer Nachweis politischer wie kultureller Aushandlungsprozesse, die es im Heute zu rekonstruieren und deren Symboliken es zu deuten gilt – diese Ausdeutung ist insbesondere für die Zwischenkriegszeit interessant, als die Denkmalkultur an sich eine Hochkonjunktur erlebte. Damals formulierte die Zivilgesellschaft soldatische Werte und Tugenden, die aus heutiger Perspektive fremd erscheinen. Nicht selten wird die Trauer instrumentalisiert, um den vermeintlichen Versailler Diktatfrieden zu rächen. Das Sterben wird als Heldentot beschrieben, der Tod heroisiert. Eine Vielzahl der Wolfsburger Kriegerdenkmale des Ersten Weltkrieges ist vor ebendiesem historischen Hintergrund zu lesen. 
Laut einer aktuellen Zählung finden sich in Wolfsburg 42 Kriegerdenkmale, Ehren- und Mahnmale, die größtenteils Bezug auf den Ersten Weltkrieg nehmen. Darüber hinaus finden sich solche, die an die Völkerschlacht bei Leipzig, an den Deutsch-Französischen Krieg wie an den Zweiten Weltkrieg erinnern. Sie unterscheiden sich besonders durch ihre individuelle Architektur, Bild- und Symbolsprache, die heutigen Betrachterinnen und Betrachtern – wenn sie zufälligerweise doch eines der Denkmale wahrnehmen – nur schwer zugänglich ist. Die hier exemplarisch [3] analysierten und in ihre zeitgeschichtlichen Kontexte eingebetteten Denkmale machen sozial- und gesellschaftsgeschichtliche Phänomene deutlich, so beispielsweise den seinerzeit weit verbreiteten Militarismus wie auch den anwachsenden Nationalismus, der nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg entstand.


[1] Robert Musil, Prosa und Stücke – Kleine Prosa – Aphorismen – Autobiographisches – Essays und Reden – Kritik. Gesammelte Werke, Bd. 2. Reinbek bei Hamburg 1978, S. 506–509, hier S. 506.
[2] Dazu auch Aleida Assmann, Formen des Vergessens. 2. Aufl. Göttingen 2016, S. 70.
[3] Für zahlreiche Kriegerdenkmale, Ehren- und Mahnmale im Stadtraum Wolfsburgs sind keinerlei Akten überliefert. Das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation nimmt gerne Hinweise zu bislang nicht bearbeiteten Denkmalen entgegen.

Das Kriegerdenkmal in Almke

Das Kriegerdenkmal in Alt-Wolfsburg

Die Ehrenhalle auf dem Ehmer Kirchhof

Das Ehrenmal in Fallersleben


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