Pending Translation: „Möge sie alle Wege verbinden“
Pending Translation: Berliner Brücke – 30. März 1957 bis 30. Juni 2026

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„Mit über 66.000 Kfz/Tag ist die Berliner Brücke die bedeutendste Verkehrsanlage in Wolfsburg“, heißt es gleich zu Beginn der kurzen technischen Zusammenfassung, die der damalige Abteilungsleiter Straßenplanung und Straßenbau Jürgen Ballmann im März 2021 für die Beschlussfassung zur Erarbeitung der Planungsgrundlagen für den Ersatzneubau Berliner Brücke erarbeitet hat. Darin heißt es weiter: „Sie verbindet den nördlichen mit dem südlichen Teil der Stadt und überbrückt dabei mit dem Mittellandkanal und der Bahnanlage eine wesentliche städtische Barriere. Ein beachtlicher Bestandteil dieser verkehrswichtigen Verbindung ist das Bauwerk 01 – ‚Berliner Brücke‘, welche im Jahr 1956 gebaut wurde. Bei dem Bestandsbauwerk handelt es sich um eine 6-stegige Plattenbalkenbrücke mit 5 Feldern. Die Mittelfelder sind längs und quer vorgespannt. Die Endfelder sind aus Stahlbeton und über Gerbergelenke mit dem Mittelteil verbunden. Das Bauwerk hat eine Gesamtlänge von 168,70 m und eine Gesamtbreite von 29,20 m. Der Kraftfahrzeugverkehr verläuft in 3 Fahrstreifen je Fahrtrichtung. Im Außenbereich befindet sich jeweils ein Geh- und Radweg.“ Der Ersatzneubau wurde am 14. Juli 2021 vom Rat der Stadt Wolfsburg bewilligt.1
Damit setzten die konkreten Planungen für den Abriss dieses historischen Brückenbauwerks ein. Der Lebenszyklus der Berliner Brücke war um ein Vielfaches länger als der ihres Vorgängerbaus, der Wolfsburger Brücke. Diese befand sich etwa 300 Meter weiter westlich zwischen Hesslingen und der Villa Schlemm, wo sich heute das Konzern-Forum der Autostadt befindet. Der Brückenvorgänger war deutlich kleiner. Er überspannte bis zur Einweihung der Berliner Brücke 22 Jahre den Mittellandkanal; die parallel zu diesem verlaufenden Bahnschienen wurden mit einem schienengleichen Bahnübergang gekreuzt, bis dieser durch die Berliner Brücke ersetzt wurde.2 Wann genau die Brücke abgerissen wurde, ließ sich aus den vorhandenen Unterlagen nicht ermitteln.
Stadt und Deutsche Bundesbahn hatten erkannt, dass „[d]ie Bahnanlagen in Wolfsburg und die damit im Zusammenhang stehenden städtischen Anlagen […] den Bedürfnissen des Verkehrs entsprechend“ angepasst werden mussten. Nach mehrjährigen Verhandlungen wurde im Mai 1955 ein entsprechender Vertrag abgeschlossen und vom Rat einstimmig genehmigt, in dem sich beiden Parteien verpflichteten, entsprechende Neubauten zu erstellen. So heißt es in § 1 Abs. B: „Die Stadt wird bemüht sein, das Kreuzungsbauwerk bis zum 1.10.1956 zu errichten.“ Die Bundesbahn sagte ihrerseits zu, den Bahnhofsneubau „möglichst nicht länger als sechs Monate später […] [zu] vollenden“.3 Aufgrund guter Vorbereitung und zügiger Planung empfahl der Ausschuss für Bauwesen in seiner Sondersitzung am 7. November 1955 dem einen Tag später tagenden Rat der Stadt, für die Ausführung des Brückenbauwerks die Firma Holzmann zu beauftragen.4 Bereits nach weniger als eineinhalb Jahren war der Bau fertiggestellt.
Sowohl die Wolfsburger Nachrichten als auch die Wolfsburger Allgemeine Zeitung druckten am 29. März 1957 die Einladung von Rat und Verwaltung an die Wolfsburger Bevölkerung ab, an der Einweihung des Brückenbaus teilzunehmen. Neben der Mitteilung der zu erwartenden Ehrengäste gab es auch Verhaltenshinweise, um den Ablauf und die Arbeiten von Presse, Funk und Fernsehen störungsfrei zu ermöglichen.5
Der 30. März 1957 begann mit einer Feierstunde in der Aula des heutigen Ratsgymnasiums. Dort wurden von Oberbürgermeister Arthur Bransch neben Vertretern aus Rat und Verwaltung die Verwaltungsspitzen der umliegenden Gemeinden und Landkreise begrüßt wie auch die der Nachbarstädte Braunschweig, Fallersleben und Vorsfelde, sodann Vertreter des Volkswagenwerkes, der Bundesbahn und der Wasser- und Schifffahrtsdirektion, der ostdeutschen Landsmannschaften und des Berliner Klubs aus Wolfsburg. Als Ehrengäste wurden Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm, Regierungspräsident Lüneburgs Dr. Erich Krause, der Vertreter des niedersächsischen Ministers für Wirtschaft und Verkehr Regierungsoberbaudirektor Wilhelm Lillie, der Vertreter des Regierenden Bürgermeisters von Berlin und Senator für Verkehr und Betriebe Otto Theuner, der Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses Egon Endres und der Bürgermeister von Berlin-Kreuzberg Willy Kressmann persönlich adressiert. Bereits anhand der Vielzahl an hochrangigen Gästen wird die Wichtigkeit des Brückenneubaus als zentraler Verkehrsachse für die Region und darüber hinaus für die Verbindung des Ost-West-Verkehrs und die damit verbundene Solidarität mit West-Berlin sichtbar.
Bransch dankte insbesondere den ebenfalls anwesenden Vertretern der beteiligten Planungs- und Baufirmen sowie des städtischen Tiefbauamtes. Er gab sodann Einblicke in die Überlegungen zur Namenswahl, für die „[v]aterländische Gesichtspunkte und echte persönliche Bindungen“ gesprochen hätten.6 Oberstadtdirektor Wolfgang Hesse und Stadtbaurat Peter Koller sprachen zur verkehrspolitischen Bedeutung und lieferten die technischen Daten der neuen Brücke. Hesse schloss mit einer feierlichen Forderung: „Wir haben eine Brücke gebaut auf der der Weg nach Berlin führt. Die Technik hat das ihre getan. Mögen nun die Politiker den Weg finden zum großen Brückenschlag nach Berlin und zur Ostzone!“7
Im Beisein vieler Wolfsburger Bürger und Bürgerinnen fanden die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt, als Bundesverkehrsminister Seebohm für die Freigabe der Berliner Brücke das grün-weiße Band mit den Worten, „DIESES BAUWERK verkündet das Schaffen und Wirken der Volkswagenstadt. Möge es bald alle Wege Deutschlands verbinden!“, durchschnitt. Die Berliner Gäste sprachen den Verantwortlichen ihren Dank aus und betonten, wie sehr sie „die Namensgebung Berlin als eine Herzenssache der Wolfsburger“ erkannt hätten. Ihren Abschluss fanden die Feierlichkeiten mit einem Empfang der Stadt im Schloss Wolfsburg, wo die Vertreter aus Rat und Verwaltung mit den Ehrengästen und Vertretern aus der Wirtschaft und den Kulturvereinen auf die weitere Entwicklung der Stadt anstießen und zukünftige Austauschprojekte zwischen Berlin und Wolfsburg besprachen.9
Der Beschluss zur Namensgebung war tatsächlich erst kurz vor dem feierlichen Akt der Einweihung erfolgt, nämlich in der Ratssitzung vom 26. März 1957. Damals wurde einstimmig der formale Beschluss gefasst, „die nach Norden führende Straße auch über den Kreisverkehrsplatz zwischen dem Stadtteil Heßlingen und der Dieselstraße hinaus bis zum Verteiler südlich des Schlosses ‚Berliner Ring‘ zu benennen und der in dieser Straßenführung liegenden neuen Kanalbrücke den Namen ‚Berliner Brücke‘ zu geben.“10
Wie sehr der jungen Stadt Wolfsburg an der Verbindung zu Westberlin gelegen war, zeigte sich knapp drei Jahre später, als mit der Aufstellung eines Berliner Meilensteins am 3. April 1960 ein weiteres sichtbares Zeichen der Verbundenheit gesetzt werden sollte. Dieser wurde damals auf dem Mittelstreifen der noch befahrbaren Porschestraße in Höhe des Rathauses aufgestellt. Heute befindet er sich unweit davon in der Siemensstraße. Den Berliner Meilenstein ziert auf beiden Seiten der kleine Bär der Berliner Künstlerin Renée Sintenis, der von der Inschrift „Berlin 228 km“ begleitet wird.
Über die innerdeutsche Geschichte hinaus ist die „Berliner Brücke“ auch ein gewichtiger Teil vieler hiesiger italienischer Lebensgeschichten. Denn der Name „Berliner Brücke“ oder auch „Viale Berliner Brücke“ war über viele Jahre hinweg die Postanschrift jener Italiener, die ab Beginn des Jahres 1962 in der eigens für sie durch das Volkswagenwerk geschaffenen Siedlung lebten. Wenn die italienischen Familien an ihre Söhne, Brüder, Väter und Ehemänner nach Wolfsburg schrieben, so adressierten sie ihre Karten und Briefe bis 1974 zu allermeist mit „Berliner Brücke“.
Auch verwaltungsintern wurde die „Berliner Brücke“ für die räumliche Verortung innerhalb des Stadtgebietes genutzt, zum Beispiel als Bezeichnung für den dortigen Stadtbezirk, wenn es um die Datenerhebung der Wohnbevölkerung ging.11
Das Ende dieses Brückenbaus zeichnet sich nun, knapp 70 Jahre nach der Einweihung, immer deutlicher ab. Der erweiterte Planungsbeschluss für den Ersatzneubau der Berliner Brücke wurde vom Rat bereits am 4. September 2024 gefasst. Danach soll der „Brückenneubau in zwei Teilbauwerken mit beidseitig integriertem Geh- und Radweg“ realisiert werden.12 Die Arbeiten laufen im Hintergrund, für die Wolfsburger Bevölkerung unsichtbar, weiter. Nur die aktuellen, seit November 2022 bis zum Brückenabriss geltenden, Spureinschränkungen geben allen, die die Brücke überqueren, einen nicht zu übersehenden Hinweis auf ihr Alter.13 Ab 2029 soll mit dem Brückenneubau begonnen werden.14
Unerwartet und vorzeitig, noch vor Beginn der Abriss- und Neubauarbeiten, endete allerdings mit dem 30. Juni 2026 die Geschichte der „Berliner Brücke“, wurde sie doch am 1. Juli 2026 in „Carl-Hahn-Brücke“ umbenannt. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG Carl Horst Hahn wäre an diesem Tag 100 Jahre alt geworden.
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Pending Translation: Fußnoten
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1 Stadt Wolfsburg, Vorlage V 2021/1739, Erarbeitung der Planungsgrundlagen für den Ersatzneubau Berliner Brücke, online abrufbar unter https://ratsinfob.stadt.wolfsburg.de/vo020?VOLFDNR=1005705&refresh=false [5.8.2026].
2 „30. März 1957: Ein historischer Tag“, in: Wolfsburger Nachrichten vom 30. März 1957.
3 StadtA WOB, B1.3, Nr. 71, Vertrag zwischen Stadt Wolfsburg und der Deutschen Bahn vom 13./18. Mai 1955; StadtA WOB, B.1.1, Nr. 5–13, (ordentliche öffentliche) Ratssitzung am Freitag, dem 20. Mai 55; StadtA WOB, B.1.1, Nr. 1420, Vorlage Nr. 75, Vertrag mit der Bundesbahn über den Bahnhofsneubau, 13. Mai 1955.
4 StadtA WOB, B.1.1, Nr. 240, Niederschrift Nr. 49/55 (Sondersitzung) des Ausschusses für das Bauwesen vom 7. November 1955.
5 „Brückenschlag“, in: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 29. März 1957; „Einladung an alle zur Brückeneinweihung“, in: Wolfsburger Nachrichten vom 29.3.1957.
6 „Berliner Brücke für den Verkehr frei“, in: Wolfsburger Nachrichten vom 1. August 1957.
7 „Wolfsburg zum Gedeihen – Berlin zur Ehre!“ In: Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 1. April 1957.
8 „Möge sie alle Wege verbinden“, in: Wolfsburger Nachrichten vom 2. August 1957.
9 „Berliner Brücke für den Verkehr frei“, in: Wolfsburger Nachrichten vom 1. August 1957.
10 StadtA WOB, B.1.1, Nr. 6, Protokoll der 8. (öffentlichen) Ratssitzung am Dienstag, dem 26. März 1957.
11 StadtA WOB, B.1.2, Nr. 3903, Strukturuntersuchungen des städtischen Raumes – Stadtentwicklung; Berliner Brücke.
12 Stadt Wolfsburg, Vorlage V 2024/0848, Ersatzneubau Berliner Brücke, erweiterter Planungsbeschluss, online abrufbar unter https://ratsinfob.stadt.wolfsburg.de/vo020?VOLFDNR=1008797&refresh=false [5.8.2026].
13 Informationen der Stadt Wolfsburg, online abrufbar unter https://www.wolfsburg.de/berlinerbruecke [10.8.2026].
14 Hier und im Folgenden „Wolfsburgs wichtige Brücke hat einen neuen Namen“, in: Wolfsburger Nachrichten vom 2. Juli 2026.









