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᠎Pending Translation: Die Baracke „Selbstverwaltetes Jugendhaus Ost“

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Die Baracken in den verschiedenen Lagern der „Stadt des KdF-Wagens“ wurden ab 1938 nahezu ausschließlich als Unterkünfte für die unterschiedlichsten Arbeitskräfte, darunter auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge benötigt. Die Baracken selbst wurden von der Bauweise und der Materialbeschaffenheit genormt geplant, waren allerdings vorrangig Behelfsbauten. In einigen Baracken wurden auch die Verwaltung und andere Institutionen zur Regelung aller notwendigen organisatorischen und infrastrukturellen Arbeiten untergebracht, unter anderem hier am Bullenberg.

Eine der Steinbaracken, im dem das heutige „Ost“ untergebracht ist, wurde für das Preußische Neuvermessungsamt errichtet, dieses war hier auch während des Zweiten Weltkrieges untergebracht. Da diese Baracke die Kriegsjahre im Wesentlichen unbeschadet überstanden hatte, beschloss die provisorische Treuhandverwaltung die Nutzung der Räume unmittelbar nach Kriegsende den Anforderungen und Gegebenheiten der Zeit entsprechend zu regeln und anzupassen. Das Katasteramt, das Finanzamt, das Sozialamt, das Arbeitsamt und eine vorübergehende Wohnraumverwaltung zogen ein. Im nahen Parkhotel war gleich nach Kriegsende die alliierte Militärverwaltung und einige Zeit später die Neuland untergebracht. 1946 war auch das Büro des Bürgermeisters zeitweilig in der Baracke. 1948 wurden Räume für eine Werksküche zur Versorgung von alten und bedürftigen Menschen aus dem ehemaligen „Reislinger Lager“ eingerichtet, die von Diakonieschwestern geleitet wurde. Ebenfalls in der Baracke war eine Krankenstation zur Erstversorgung eingerichtet.

Da nicht genügend Schulräume vorhanden waren, wurden Schul- und Förderräume für die Heilpädagogische Bildungsstätte für Kinder mit Beeinträchtigungen eingerichtet, in späteren Jahren ging die Lebenshilfe daraus hervor. Zum 28. Januar 1969 endete dieses Provisorium und die Heilpädagogische Bildungsstätte zog in die Goetheschule um. Zwei Räume wurden zur Ausübung von Krankengymnastik an eine Physiotherapeutin vermietet. Zeitweilig fanden in einem Raum auch Gottesdienste der Adventistengemeinde statt.
Es wurden innerstädtische Flächen zur Bebauung benötigt, wobei die Barackenlager, die nach Kriegsende auch als Wohnraum für geflüchtete Menschen dringend benötigt worden waren, abgerissen wurden. Mit fortlaufender Zeit hatte die Baracke ihre Bedeutung als Notquartier sowie als Behelfsbau zur unterschiedlichen Nutzung verloren. Generell setzte ein deutlicher Aufbruch und eine große Bautätigkeit in Wolfsburg ein, im Zuge derer öffentliche Gebäude, Schulen, Verwaltungsgebäude, Wohnungen und Eigenheime errichtet wurden, wodurch die Stadt zusehends wuchs.

Als einzige der Baracken am Bullenberg blieb sie erhalten. Im Jahr 1957 konnten mit Fördergeldern für Baumaßnahmen durch Bund und Land in dieser Baracke einige Räume für verschiedene Projekte der Jugendarbeit/Jugendförderung fertiggestellt werden. Das Jugendhaus wurde am 15. November 1958 eröffnet, die Aufsicht und Heimordnung oblag der Stadtjugendpflege, im Ausnahmefall war eine Öffnung bis 22.00 Uhr möglich. Jugendhäuser in der Bundesrepublik Deutschland sollten in Gestaltung und Zielsetzung nach Vorgaben des „Buchs der Jugendstätten in der BRD“ (1957) geleitet werden. Es wurde eine Hausordnung erlassen – der Leitsatz war: „Das Jugendhaus soll allen Jugendgruppen, die darin arbeiteten, ein wirkliches Heim sein“. Die Räume wurden von unterschiedlichen Jugendgruppen unter anderem den Pfadfindern, der Tierschutzjugend, verschiedenen Musik-Gruppen und der DLRG genutzt. Die jungen Menschen waren froh, Räume für sich zu haben. In wöchentlichen Besprechungen der verschiedenen Gruppen wurde über einen Belegungsplan, über die Pflege der Räume sowie Erhaltung von Mobiliar und Ausstattung im Rahmen der Heimordnung gesprochen. Durch das nahe, neu entstandene Christliche Jugenddorfwerk (CJD) war eine weitere Nutzergruppe hinzugekommen, die zunächst durch dessen Leiter Bode beaufsichtigt wurde. Im Jahr 1967 übernahm der Stadtjugendpfleger die Aufsicht.

Jugendliche waren nicht mehr bereit, die engen Grenzen der Eltern widerspruchslos hinzunehmen und wollten eigene Bedürfnisse entwickeln, Entscheidungen treffen, sich emanzipieren, politisch mitbestimmen, kreativ gestalten – viel mehr ausprobieren und in Opposition zu den Erwachsenen sein dürfen. Natürlich waren diese Ideen und Vorstellungen auch im Umfeld der Gruppen im „Jugendhaus Ost“ ausgeprägt. Die Initiative „Hellwinkel Jugend“ mit ca. 1.500 Jugendlichen aus dem östlichen Stadtgebiet, hatte sich durch Gespräche und Aktionen im und um das Jugendhaus herum zusammengefunden und meldeten deutliches Interesse an, ein selbstverwaltetes Jugendhaus zu haben. Im Jahr 1978 konnte dies umgesetzt werden. „Das „selbstverwaltete Jugendhaus Ost“ wird seitdem durch einen Aktionsrat, bestehende aus Delegierten der verschiedenen Jugendgruppen eigenständig verwaltet.

Die Steinbaracke wurde 1984 im Rahmen der Denkmalschutzbestandserfassung als Denkmal eingetragen. Eine umfangreiche Sanierung durch die Stadt Wolfsburg fand um die 2020er Jahre statt.

Verwendete Unterlagen aus dem IZS: A.2.3, Nr. 261; A.2.3, Nr. 262; B.1.2, Nr. 3786
Gespräche mit dem Aktionsrat „Ost“, 16.11.2025


Umbenennung in Walter-Flex-Weg am 27. Februar 1956

 
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